Wer hat´s erfunden? Der Clemens Wilmenrod natürlich!

Deutscher Fernsehkoch der Wirtschaftswunderzeit. Man sieht am Beispiel Clemens Wilmenrod, dass die Kochshows, die einem heute unvermeidlich ins Auge springt, wenn man den Fernseher einschaltet, keineswegs eine Erfindung der Privatsender sind! Nein, ganz im Gegenteil, dieses Sendeformat wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus der Taufe gehoben. Bedauerlicherweise vergass man es später wieder und war völlig überrascht, als vor einigen Jahren plötzlich Jamie Oliver, Tim Mälzer und andere scheinmoderne Küchengurus aus der Hitze ihrer Küchen auftauchten um sich vor Publikum zu produzieren.

Bedauerlicherweise ist das Sendeformat mittlerweile derart ausgelutscht, dass man es kaum noch sehen kann und meist schnell weiterzappt, um den altklugen Pseudoweisheiten der selbsternannten Küchengötter zu enkommen.

Arabisches Reiterfleisch ist nur eine der genialen Kreationen des Don Clemente. Er gilt auch als Erfinder des Hawaii-Toasts und – ganz besonders putzig anzusehen – der gefüllten Erdbeere.

Wilmerod starb im Alter von nur 60 Jahren in einem Münchner Krankenhaus. Er beging Selbstmord, vermutlich, weil er an Magenkrebs erkrankt war! Er hat die deutsche Fernsehlandschaft auf seine ganz eigene Art geprägt und seine Ideen waren genauso ungewöhnlich, wie sie damals neu und erfolgreich waren. Die Geschichten, die er während seiner Sendungen im Zusammenhang mit den von ihm kreierten Rezepten (und die sind sicher von seiner Frau zumindest mit entwickelt worden, die im Kochstudio hinter den Kulissen eifrig das kochte, was er vor der Kamera als sein eigenes Werk aus zu geben pflegte!), waren genauso an den Haaren herbei gezogen, wie die oft abenteuerlichen Zutatengemische! Aber sie waren anders als alles, was die Menschen vor den Bildschirmen kannten und sie kamen ihrem Bedürfnis nach exotischen und aussergewöhnlichen Genüssen nach den Hungerjahren sehr entgegen.

Bücher:

  • „Es liegt mir auf der Zunge“ von Clemens Wilmenrod – Hoffmann u. Campe (1954)

  • „Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch“ von Clemens Wilmenrod – Hoffmann u. Campe (1956)

  • „Wie in Abrahams Schloss. Brevier für Weltenbummler und Feinschmecker“ von Clemens Wilmenrod, Hamburg, Hoffmann und Camp, (1958)

  • „Im Fernsehen gekocht“ von Clemens Wilmenrod – Hoffmann u. Campe (1963)

  • „Französische Küche“ von Clemens Wilmenrod – Vollmer (1963)

weiterführende Links:

Die Sache mit dem HB-Männchen

Es gab einmal eine Zeit, man möchte es kaum glauben, da war Zigarettenwerbung noch nicht so verpönt wie heute. Läuft man heutzutage beispielsweise durch einen Supermarkt und ist genötigt, sich an der Kasse die Beine in den Bauch zu stehen, weil das Personal nicht da, krank, oder vielleicht auch einfach nur lustlos ist, dann wird einem zwangsweise der Blick abschweifen, weg von den Quengelwaren, mit denen man Kinder dazu bringt ihre überlasteten Eltern zu nerven und hin zu den Zigarettenpackungen, auf denen in allen Einzelheiten sämtliche Raucherkrankheiten dargestellt und abgebildet werden. Gerade als Nichtraucher möchte man regelmäßig sein Frühstück auskotzen (und zwar hektoliterweise), wenn man verfaulte Zähne, geteerte Lungenflügel und abgesägte Raucherbeine sieht.

Dem echten, durchtrainierten Ketten- und Berufsraucher aber gehen diese Bilder ziemlich am Arsche vorbei. Den jucken die Folgen des Rauchens erst dann, wenn er seine Lunge auf den Frühstückstisch gereihert hat und sie dort, reichlich unappetitlich, auf dem Suppenteller liegt.

Früher war das ganz anders. Natürlich nicht besser, das möchte ich hinzu fügen, denn Werbung muss man nun wirklich nicht machen für ein Produkt, das derart abhängig macht, wie Nikotin und mit derartigen Folgeerscheinungen. Aber solange der Staat gut an den Tabaksteuern verdient, mag er auch nicht wirklich etwas dagegen unternehmen. Denn wenn der Raucher irgendwann anfängt unter seinem Laster zu leiden, und heftig zu husten, dann ist es die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten, die für die Behandlungskosten aufkommt, kommen muss. Der Staat hat die Steuergelder längst verschleudert, wenn sich die Raucher Gedanken darüber zu machen beginnen, dass sie vielleicht doch lieber nicht mit dem Qualmen angefangen hätten.

Aber wir haben früher, abends vor der Glotze sitzend, mit großem Vergnügen Werbung geschaut. Nicht nur Frauengold für die gestresste und etwas lustlose Hausfrau, den fetten Bären von der Bärenmarke Dosenmilch, sondern vor allem das HB-Männchen hatte einen festen Platz in unseren Herzen.

Die einfach gezeichnete Zeichentrickfigur, inoffiziell Bruno genannt, war eine der beliebtesten Werbefiguren im deutschen Fernsehen. Bruno war von cholerischem Temperament und extrem hektisch. „Chillen“, wie man heute wohl sagen würde, war nicht sein Ding. Alles, was scheif gehen konnte in seinem Leben, das ging dann auch schief und zwar so schief, dass Bruno laut fluchend in die Luft ging. Á propos Fluchen. Die Sprache, in der Bruno fluchte, war angeblich Arabisch, und zwar rückwärts abgespielt.

Auf jeden Fall ist Bruno immer ein Auge wert. Und auch heute noch hat er viele Fans. Jedenfalls unter den Älteren, die ihn noch aus ihrer Jugend kennen und sich gern an seine Faxen und Streiche erinnern! Es ist schon gut so, dass man nicht mehr überall mit Tabak- und Zigarettenwerbung überschüttet wird. Aber ganz konsequent ist die liebe Bundesregierung dabei auch wieder nicht. Gerne widerspricht sie sich bei ihrem Kampf gegen den Tabakmißbrauch selbst. Denn wie schon gesagt, die Steuern nimmt sie gerne mit. Aber die Folgen des Tabakmißbrauchs will sie freilich nicht ragen. Aber ist ja auch kein Wunder. Ambivalenz ist der zweite Vornahme unserer BundeskanzlerIn. Oder war es Teflon?

It´s raining men, Halleluja…

Eigentlich sind die Sonnentage eines Jahres dazu gedacht, Geschichten, Abenteuer und Erlebnisse und dazu noch jede Menge wunderbare Fotos zu sammeln, um die dunkle Jahreszeit zu überbrücken, bis es im nächsten Frühjahr wieder hinaus geht! Jedenfalls dachte ich das bisher. Aber wenn ich mir diesen Sommer so betrachte und das Für und Wider abwäge, dann muss ich voller Bedauern fest stellen, dass es sich in diesem Jahr um einen besonders ähm durchwachsenen Sommer handelt. Andere würden sagen, er ist beschissen. Ich bin ja irgendwie ziemlich froh, dass ich meinen Urlaub schon hinter mir habe. Mir war der ganze Juli als Urlaub genehmigt worden und ich muss sagen, zu großen Teilen war das Wetter hervorragend. Und jetzt, da ich wieder arbeiten muss, könnte es mir eigentlich vollkommen egal sein, ob es nun schön ist, oder nicht, ob es kalt ist, oder alles den Bach runter geht, weil es um´s verrecken nicht mehr aufhören will zu regnen. Aber ich hatte amit gerechnet, noch das ein oder andere Wochenende genießen zu können, ein wenig in der Gegend herum zu fahren, mit meiner Enkelin und natürlich meiner Gattin, im Wellenbad herum zu liegen und darauf zu warten, bis ich einen Sonnenbrand bekomme.

„Pack die Badehose ein – so rollten wir in den Sommerurlaub“

Pfeifendeckel! War wohl nichts! Aber irgendwie muss man sich ja trotzdem beschäftigen, nicht wahr? Also berichte ich Euch heute von einem tollen nheuen Buch, dass ich erworben habe, als ich – witterungsbedingt – durch die Buchläden meiner Stadt streifte. Da erblickte ich plötzlich einen Bildband mit dem Titel „Pack die Badehose ein – so rollten wir in den Sommerurlaub“, von dem Autor Alexander F. Storz, erschienen im Motorbuch Verlag. Ein sehr nettes Buch ist dem Autor da gelungen, gleichwohl es den ein oder anderen kleineren Fehler und einige Ungereimtheiten aufweist. Aber machen wir uns nichts vor – schon ab der ersten Seite fesselt einen das Thema und je mehr man eintaucht in die vielen Bilder mit ihren Beschreibungen und den Begleittext, der nach meinem Dafürhalten gern etwas umfangreicher hätte ausfallen dürfen, ziehen die Erinnerungen an die eigenen Urlaube sofort in ihren Bann.

Ab nach Österreich

Da mache ich keine Ausnahme. Sofort waren die Bilder vor meinem geistigen Auge gegenwärtig, wie ich mich mit meinen lieben Eltern und der jüngeren Schwester im Opel Kadett A mehrere Jahre hintereinander auf den langen Weg nach Österreich machte. Nach Kärnten um genau zu sein. Und jedesmal war es ein Abenteuer vom Anfang bis zum Ende! Morgens um 2:00 Uhr ging es los. Den wagen hatte mein Vater am Abend zuvor gepackt und direkt vor dem Haus abgestellt. Wir Kinder konnten kaum schlafen, so aufgeregt waren wir. Um halb zwei war Wecken durch meine Mutter angesagt und dann gab es so etwas wie ein Milchsüppchen mit ein paar zarten Haferflocken drin, damit wir Kinder nicht sofort nach dem Start auf´s Klo mussten. Leise und im Dunkeln schliechen wir das Treppenhaus hinununter, damit die müden Nachbarn nicht aus dem Schlaf geschreckt wurden. Dann liefen wir gähnend zum Auto und stiegen ein. Mein Vater hatte fast den kompletten Hausstand verpackt. Jede Ritze war mit irgend etwas ausgestopft worden. Decken, Kissen, Bezüge, Kleidung, Handtücher, darüber hinaus Gaskocher (mit mehreren Gaskartuschen), Alupfannen und Töpfe, Geschirr, ein Kofferradio mit Batterien, Besteck, Luftmatratze, Schwimmringe usw., alles war dabei. Der Platz zwischen den Vordersitzen und der Rückbank war mit unserem Bettzeug ausgestopft, so dass wir Kinder nunr im Schneidersitz auch der Rückbank hocken konnten. Andererseits entstand so eine Liegefläche, auf der wir uns ausstrecken konnten, denn schließlich waren wir jetzt hundemüde. Dann ging es los. Wir waren noch nicht auf der Autobahn Richtung München, da schliefen wir schon selig und vom Urlaub träumend…

…erst weit hinter München wachten wir auf. Die Sonne erhob sich im Osten und begann das Innere des Autos schön aufzuheizen. Im gleichen Maß, wie es immer wärmer wurde, legten wir unsere Kleider ab, bis wir nur noch in Unterhosen auf dem Rücksitz saßen! Der kleine Opel schnurrte wie ein Uhrwerk und mein Vater hatte auf seine Hornbrille eine Sonnenbrill aufgesteckt, damit ihn die Sonne nicht so blendete. Meine Mutter hatte zwischen ihren Beinen das Kofferradio stehen und suchte permanent nach einem Radiosender, der halbwegs klar zu hören war. Obwohl wir genau darauf achteten, wo und wie lang uns Staus drohten, fuhren wir doch stets hinein. Ein Unfall reichte und schon stand alles still! Aber irgendwann gegen Abend kamen wir dann doch in Kärnten an. Eine durchgehende Autobahn bis nach Klagenfurt gab es damals noch nicht und so musdsten wir einen großen Teil der Reise auf überfüllten Landstraßen zurück legen. Wir Kinder zählten Autos, lasen die Nummerschilder oder sangen mit meiner Mutter um die Wette, bis es meinem Vater zu bunt wurde und er sich Ruhe ausbat. Bei unserem Radau könnte er sich nicht konzentrieren, sagte er.

Das ganze Leben sollte Urlaub sein!

Nachdem wir unser Zimmer in der Pension bezogen hatten, das uns als Urlaubsdomizil diente, schliefen wir soofort erschöpft ein. Mein Vater gönnte sich noch ein Fläschchen lauwarmes Bier, meine Mutter ein Gläschen Wein und dann tauchten auch sie in ihre Betten ein und träumten vom Urlaub, der nun begann. Wir Kinder bekamen einiges geboten, gleichwohl wir doch am allerliebsten den ganzen lieben langen Tag am Strand des Klopeiner Sees gelegen hätten und zwar jden einzelnen Tag. Aber meine Eltern stand der Sinn nach Kultur. So erklommen wir hohe Berge, um dort stehendee Burgen zu sehen. Die Burg Hochosterwitz ist mir da besonders im Gedächtnis geblieben. Ich erinnere mich noch heute mit Grausen daran, dass wir das Auto am Fuß des Berges stehen lassen mussten, um dann stundenlang den steilen Pfad bergan zu erklimmen, der sich immer um die Kuppe herum wand, auf der die Burg stand! Alle zwei oder drei Tage machten wir eine größere Tour mit unserem Opel, um berühmt-berüchtigte Alpenpässe zu erfahren. Jaufenpass, Plöckenpass, die Großglocknerhochalpenstraße, das waren so Eckpunkte, die wirklich abenteuerlich waren. Besonders, wenn man wusste, dass das kleine Motörchen unter der Haube des Kadetten lediglich 40 PS auf die Kurbelwelle stemmte. Wenn wir dann die Passhöhe erklommen hatten, staunten wir nicht schlecht, wenn dort oben eine Isetta stand, oder ein Goggomobil oder ein Kabinenroller und wir fragten uns, wie die wohl hier hoch gekommen waren? Und wie würden sie wieder hinunter kommen? Natürlich kam auch das Baden und das Pilzesuchen nicht zu kurz und wenn wir nach zwei Wochen die Heimreise antraten wussten wir, dass wir unseren Freunden eine ganze Menge zu erzählen haben würden. Denn einige Familien hatten nicht das Geld, um überhaupt in Urlaub zu fahren und von einem Auto brauchten sie erst garnicht zu träumen. Nicht jedm ging es so gut wie uns, das wurde einem in solchen Situationen rasch klar und wir waren immer wieder froh, dass unsere Eltern über das notwendige Geld verfügten, um einmal im Jahr in Urlaub zu fahren. Wie man sieht, kann ich noch heute davon zehren…

Merken

Doo Wop

Bereits in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts begannen sich die Vorläufer des Doo Wop zu entwickeln, eines Musikstils, der im Rahmen von Vocal Groups vorgetragen wurde und vorläufig eine reine Domäne der Afroamerikaner war. Oft wurden die Stücke a capella vorgetragen, d. h. Ohne Instrumentalbegleitung. Einer der Hauptschwerpunkte beim Doo Wop liegt in der Harmonik, die ein besonders wichtiges Element ist. Vier oder fünf Männer sangen in verschiedenen Stimmlagen (Leadsänger, 1. Tenor, 2. Tenor, Bariton und Bass), wobei sie sich in ihren Texten häufig diverser Nonsenssilben bedienten, wie z. B. „Doo Wop“, „Du-Wah“ und Sh-Boom“ oder Shu-Bop“ und dergleichen. Die Ursprünge des Doo Wop lagen irgendwo zwischen Gospel, Jazz, Blues und Barbershop. So richtig los ging es mit dem Doo Wop aber erst 1948 mit den Orioles, die eine Ballade sangen, welche man als das erste echte Doo-Wop-Stück bezeichnen konnte. Ab 1951 kam es zu einem ersten regelrechten Boom des Doo Wop. In den R´n´B-Charts standen The Clovers, The Dominoes und The Five Keys mit ganz oben. Die Doo-Wop-Ära dauerte von 1948 – 63. Erst Mitte der 50er Jahre kamen auch zunehmend Weiße auf den Geschmack und es bildeten sich die ersten gemischten und rein weißen Doo-Wop-Gruppen (ab etwa 1957/58).

Auch im Kino kam Doo Wop zu seinem Recht. Der Kultfilm „American Graffiti“ hatte eine Vielzahl von Doo-Wop-Titeln im Soundtrack aufzubieten, die daraufhin zu echten Hits wurden (ein weiteres Mal). Ebenso gab es Doo-Wop-Sound in dem Streifen „The Wanderers“ zu hören. Sehr zu meinem Bedauern spielte Doo Wop im deutschen Radio der 50er und 60er Jahre so gut wie überhaupt keine Rolle. Die gelegentlich und leider sehr selten gespielten Stücke waren für mich persönlich eine echte Kostbarkeit und ein Genuß für meine Ohren. Ich wusste nicht, um was für einen Musikstil es sich dabei handelte. Meine Eltern, die ich fragte, hatten auch keinen blassen Schimmer. Sie standen, wie ich übrigens selber auch, zu der Zeit auf deutschen Schlager, Freddy Quinn und Peter Kraus und so weiter. Was Doo Wop war, konnten sie mir nicht erklären und sonst auch keiner, den ich kannte. Also behielt und bewegte ich diese feine, äußerst harmonische Musik in meinem Herzen und als die Zeit des Internet kam, machte ich mich sofort auf die Suche nach diesen phantastischen Klängen und siehe da, ich wurde fündig! Ich wurde sogar mehr als fündig. Was ich zu hören bekam, übertraf alle meine Erwartungen und sind noch heute ein unerschöpflicher Quell für einzigartigen Hörgenuss während des Autofahrens.

Einige Beispiele gefällig? Kein Problem, hier bitte…“The Five Keys“ mit „Close Your Eyes“ aus dem Jahr 1955…

…oder den „The Nutmegs“ – „Story Untold“, ebenfalls aus dem Jahr 1955…

…aber wandern wir doch weiter ins Jahr 1958 „Dion & The Belmonts“ und „I Wonder Why“

…und 1964 finden wir diesen Song hier, den man aber eigentlich eher der zwanzigfach gelifteten Cher zuordnen würde, „Betty Everett“ und „The Shoop Shoop Song“…

41. Oldtimermeeting Baden-Baden

Beinahe 15 Mal bin ich schon auf dieser Veranstaltung gewesen und habe mich an den unzähligen alten und uralten Fahrzeugen erfreut, habe mittlerweile tausende und abertausende von Fotos geschossen und jedes Mal irgend etwas etwas Neues entdeckt. Zum Beispiel fiel mir anlässlich eines meiner Besuche auf, das etliche Autos aus der Zeit des Wirtschaftswunders am Armaturenbrett ein kleines Väschen montiert hatten, in das man stets frische Blumen steckte, die man vielleicht während eines Spaziergangs im Grünen auf einer Wiese gefunden hatte. Dann, bei einem anderen Treffen sah ich das erste Mal ein schickes Auto mit einem sogenannten Wirbulator, der die Verschmutzung der Windschutzscheiben bei schneller Autobahnfahrt verhindern sollte und sogar den Aufprall von Regentropfen und somit die Scheibenwischer und damit den Geldbeutel des Autobesitzers schonen sollte.

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Hochherrschaftlicher Rolls Royce; Foto: A. Ohlmeyer

Ein anderes Mal sah ich ein Fahrzeug mit einer aufmontierten Sonnenschute über der Windschutzscheibe, oder oder angebaute „Klimaanlagen, die durch den Fahrtwind angetrieben und an der Fahrertür am teilweise geöffneten Fenster montiert, für Frischluft im Fahrzeug sorgen sollten! Wer weiss schon ob´s tatsächlich funktionierte? Ich nicht, aber ist ja auch egal. Es sieht schick aus. Die letzten Jahre gab es auch immer mehr Zubehör zu sehen, zeitgenössisches Zubehör, versteht sich. Originale Öldosen zum Beispiel, teilweise recht patiniert, Werkzeugkoffer, Dachgepäckträger (am liebsten mit originalen Koffern, Skiern und Skistöcken). Daneben Wohnwagen, restauriert oder im Originalzustand, Kofferradios, Grammophone, alte Zeitungen und Zeitschriften und was sonst noch alles.

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Ein Teil des noblen Blechs brauchte sich nicht der Mühe zu unterziehen, auf eigener Achse zum Meeting nach Baden-Baden zu reisen – ein kräftiger Range Rover mit Trailer erledigte die Anfahrt aus der Schweiz; Foto: A. Ohlmeyer

Deswegen freute ich mich schon seit einem guten halben Jahr auf die diesjährige Ausgabe des Oldtimermeetings. Leider wurden meine Frau und ich ziemlich enttäuscht. Standen in den vergangenen Jahren die vielen schönen Autos, Fahrräder und Motorroller malerisch unter den schattenspendenden Bäume der Lichtentaler Allee bis hin zum Kurpark, durchsetzt von Ständen, an denen man sich bei Bratwurst, Steak und Bier, Softdrinks oder Wasser stärken konnte, wobei man sich an dem tollen Schauspiel ergötzen konnte, das sich einem bot, wenn der Besitzer eines alten Lanz Bulldog mit Hilfe einer Lötlampe, diversen Fettpressen, Kurbeln und anderem Werkzeug versuchte, sein Ungetüm zum Laufen zu bringen. Meist vergingen etwa zwanzig Minuten, bis zu einer halben Stunde, bis der gewaltige Einzylinder Glühkopfmotor mit einem herzhaften „Kult!“ und einer enormen, schwarzen Rußwolke aus dem himmelstrebenden Auspuffrohr zum Leben erwachte und dann mit gewaltigen Herzschlag und durchaus erderschütternd seine Arbeit aufnahm. „Kult!“ „Kult!“ „Kult!“ Das war der Schlag, der Feld und Wald erzittern ließ, wenn der Land- und Forstwirt seiner Arbeit nachging!

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Citroen 11 CV mit aufgesatteltem Velo Solex – so etwas ist stilsicher, würde ich meinen; Foto: A. Ohlmeyer

Aber dieses Jahr? Nichts! Zuallererst mussten wir fest stellen, dass sich die Fläche des Meetings offenbar deutlich reduziert hatte. Wir mussten bis zum Kurhaus marschieren, ehe wir die Kasse erreichten. Als wir uns eben noch wunderten, wieso wir statt der im letzten Jahr fälligen 12,- € pro Nase (und womöglich dieses Jahr mit einem Aufschlag von ein oder zwei Euro wegen der Teuerung) nur 10,- € je Person berappen mussten, wurde uns schon kurz darauf klar, warum das wohl so war. Wir traten unter dem Schirm, der den Kassentisch vor allzu heftiger Sonneneinstrahlung schützte, hinaus auf die Wiese neben dem Kurhaus und wurden geblendet vom Glanz der chrombeladenen Schlitten aus vergangenen Zeiten. Das Ganze vollkommen ungeschützt unter den brutal brennenden Strahlen der hochsommerlichen Sonne, die gnadenlos vom Himmel brannte, als gäbe es kein Morgen. Kein Problem, dachte ich bei mir, wir laufen den ersten Getränkestand an und gönnen uns einen Eimer eiskalten Wassers und dazu, nach altem Brauch, eine leckere Bratwurst! Nur, da war kein Stand. Da war keine Wurstbude, da war kein Getränkestand, lediglich Zugang gab es zu den Gartenrestaurants der bekannt günstigen Baden-Badener Nobelschuppen, wo man für schon um die 20,- € ein feines, aber frugales Mahl bekommen kann!

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Schönheit in Rot mit neckischer Kühlerfigur; Foto: A. Ohlmeyer

Zwar war auch der sonst übliche Sponsor, die Brauerei Hoepfner nirgends zu erblicken, die sonst immer recht großzügig an die teilnehmenden Oldtimerbesitzer ein paar Sechserpackungen ihres Biers verschenkte, aber dafür gab es so gut wie keines der bei mir und vermutlich auch etlichen anderen Besuchern so beliebten „Brot-und-Butter-Autos“ aus den fünfziger und sechziger Jahren zu sehen. Was mein trübes Auge erblickte, war vorwiegend edelstes und teuerstes Blech, vorwiegend aber nicht nur aus der Vorkriegszeit. Sonst waren nur die schnellsten und teuersten Vertreter des Wirtschaftswunders zu betrachten. Der Charme früherer Jahre jedenfalls ist dahin und obwohl ich ein paar hundert Fotos gemacht habe, muss ich gestehen, dass „das“ nicht mehr „mein“ Oldtimermeeting war! Ich bin sehr enttäuscht und muss mir wirklich überlegen, ob ich im nächsten Jahr nochmal dort hin fahren möchte. Mit so einem noblen Mist, wie er dort geboten wurde, kann ich nichts anfangen. Besonders sind mir die champagnersaufenden Rolls Royce-Besatzungen aufgefallen, die zu Hauf vertreten waren. Ich werde mir wohl eine Veranstaltung suchen müssen, die mehr meinen Intentionen entspricht und meinem Geldbeutel. Wer dazu Vorschläge machen kann, auch noch für dieses Jahr, darf sich gerne bei mir melden!

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Edler Packard, schön anzuschauen, aber deutlich einge Klassen zu hoch angesiedelt für mich; Foto: A. Ohlmeyer

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Horch, was kommt von draußen rein…? Muss ein günstiger Gebrauchter sein! Dieses Mal schien sich lediglich der Geldadel auf dem Oldtimermeeting in Baden-Baden versammelt zu haben – warum auch immer…; Foto: A. Ohlmeyer

 

Tribut an Carl Benz 2017

Das Wetter hätte besser nicht sein können, als am 11.6.2017 wieder einmal der Carl benz für seine Erfindung des Automobils zustehende Tribut entrichtet wurde. Die Sonne brannte ungehindert vom Himmel, dass man den Eindruck gewinnen konnte, das Hirn laufe einem zu den Ohren heraus und in den weitläufigen Parkanlagen vor dem wunderbaren Karlsruher Schloß reihten sich die chromblitzende Pretiosen aneinander. Teil glänzten sie wie Juwelen in der strahlenden Sonne, zumeist aber duckten sie sich in die schattigen Flecken unter den alleeartig an den Spazierwegen gepflanzten Laubbäumen. Die Kulisse des Schlosses lieferte einen attraktiven Hintergrund für das Ereignis. Leider musste ich fest stellen, dass ich mit meiner neu erworbenen Digitalkamera noch nicht so vertraut bin, wie es des Tributs an Carl benz eigentlich angemessen gewesen wäre. Diese Wechsel zwischen Licht und Schatten, die manchen Old- oder Youngtimer teilweise sehr hell, andererseits aber in Teilen auch reichlich dunkel erscheinen ließen, trübten beim Sichten der Bilder nach der Veranstaltung meine Freude erheblich! Aber nächstes Mal wird alles anders.

Etliche der Teilnehmer sind inzwischen alte bekannte für mich. Sie waren sowohl auf den´m letzten Tribut vor zwei jahren dabei, wie auch auf nahezu jedem Oldtimermeeting in Baden-Baden. Aber die Auswahl wird immer größer und das Ambiente stimmt einfach. Das ist das Schöne daran.

Opel Rekord P1

Opel Rekord P1, der mit den (damals) ultramodernen Panoramascheiben und phantastischer Zweifarbenlackierung Foto: A.Ohlmeyer

Opel Rekord P1 Armaturenbrett

Armaturenbrett des Opel Rekord P1, zeittypisch designed, sehr elegant Aus dieser Perspektive ist die in den Türausschnitt herein ragende Panoramascheibe gut zu erkennen, der man nachsagte, sie sei kniescheibenmordend. Angeblich hätten sich unvorsichtige Autofahrer und -innen beim Einsteigen reihenweise die Kniescheiben zertrümmert! Wer´s glaubt…  Foto: A.Ohlmeyer

Mir persönlich haben es ja die sogenannten Brot-und-Butter-Autos angetan, insbesondere aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Ja, auch wen es abgedroschen klingt, kann ich es nur ständig wiederholen: Damals hatten die Autos noch Charakter, natürlich auch die Mopeds und die Motorroller, es ging alles eine Spur gemütlicher vonstatten. Man hatte zwar genauso wenig Zeit, wie heute, aber der Tag war nicht ganz so stringent durchstrukturiert. Es gab kein ABS, keine Antischlupfregelung, keinen Spurassistenten und meist auch keine Klimaanlagen. Man klimatisierte den Innenraum seines Wagens mit dem ausgestellten Dreiecksfenster an den Vordertüten und den ausgestellten Seitenscheiben hinten. Das ging auch und wenn nicht, dann hielt man an einem schattigen Plätzchen an, um sich ein wenig zu erholen.

Opel Rekord P1 in einer atemberaubenden, tollen Farbkombination, allerdings frage ich mich, ob die so im Original erhältlich gewesen sein könnte? Foto: A.Ohlmeyer

Aber nicht vielen war es in der Zeit des Wirtschaftswunders vergönnt, sich so einen Wagen leisten zu können. Bei den allermeisten Arbeitern und Angestellten reichte es gerade mal zu einem Käfer, eher noch zu einem der damals in Scharen auf den Straßen zu findenden Kleinstwagen vom Schlage eines Messerschmitt Kabinenrollers, Isetta, oder Lloyd etwa. Und noch viel mehr Menschen mussten sich mit einem Motorroller zufrieden geben, weil die schmale Haushaltskasse einfac nicht mehr hergab. Wer aber irgendwie mobil war, den zog es im Sommer mit Sack und Pack in den sonnigen Süden, nach Italien. Wer erst einmal die Alpenpässe mit ihren teils noch ungeteerten, geschotterten Pisten überwunden hatte, dem lag Italien zu Füßen, die Sonne, das Meer, Mandolinen und Mondschein und den Vino rosso nicht zu vergessen. Das war eine reife Leistung!

Messerschmitt Kabinenroller in schickem Metallicblau. In der „Zugmaschine“ fanden zwei Personen hintereinander Platz. Freie Flächen wurden mit Gepäck ausgestopft, der Rest landete in einem Koffer auf der mit einem Gepäckträger versehenen Motorabdeckung. Und wenn es gar nicht anders ging, dann war da ja noch der Einradanhänger… Foto: A.Ohlmeyer

Not macht erfinderisch, heisst es. Und wenn man in und an seinem Kleinstwagen einfach nicht genug Platz hat um das Reisegepäck zu verstauen, dann hängt man sich einen Hänger hinten dran. Je kleiner und leichter, umso besser. Wem das dann immer noch nicht genug ist, der muss sich entweder ein größeres Auto kaufen, oder seinen Hausstand im Reisebus per Pauschalreisebuchung mitnehmen.

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Ein Einradanhänger mit abschließbarem Kofferraumdeckel und obendrauf noch einmal einem Gepäckträger. So ausgestattet, konnte man mit seinem Kabinenroller durchaus auf große Fahrt gehen! Foto: A.Ohlmeyer

Der Käferfahrer war schon ein wenig besser gestellt, als der Reiter eines Kabinenrollers, oder gar einer Isetta. Was allerdings den Kofferraum angeht, war auch hier schneller tutti, als einem lieb sein konnte. Der Gepäckträger auf der Motorraumklappe im Heck war beim Käfer fast schon obligatorisch. Der gigantische Dachgepäckträger war schon purer Luxus. Diese Träger gab es zum Teil auch mit Holzleisten als Ladefläche, was das beladen erleichtern sollte. Aber sie verkratzten auch schnell und gammelten rasch weg, weil sie Wind und Wetter ausgesetzt waren. Deswegen sind sie heute, wenn man überhaupt noch ein originales Exemplar auftreiben kann, praktisch unbezahlbar!

Ein schön patinierter VW Käfer mit tollem Dachgepäckträger und stilisiertem Surfboard (für was eigentlich, die zeittypischen Koffer reichen doch vollkommen aus) Foto: A.Ohlmeyer

Was in den Fünfzigern als schick galt, wollte in den sechziger Jahren keine Sau mehr fahren. Die barock designten Ford Taunus wurden verbraucht und landeten nahezu sämtlich auf dem Schrott. die geslzenen Winter jener Epoche taten ein Übriges. Rostschutz war ab Werk nicht vorgesehen und dementsprechend schnell hatte man den Gammel in der Karre. Das Ende kam dann meist recht schnell!

Barocktaunus von Ford. Ein typisches 50er-Jahre-Auto mit barocken Formen, schwellendem Chrom und amerikanischem Design. Die Straßenlage glich der einer Schiffsschaukel. Aber angesicht des damals üblichen Straßenzustandes war man durchaus sehr kommod unterwegs. Foto: A.Ohlmeyer

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Der Barocktaunus von hinten. Noch barocker als von vorne. Die Einhausungen der Heckleuchten konnten eine gewissen Ähnlichkeit mit den Kirchenfenstern eines gotischen Doms nicht ganz von der Hand weisen! Aber unter der Kofferraumklappe konnte man das Reisegepäck einer kompletten Famile problemlos verstauen Foto: A.Ohlmeyer

Nicht nur Deutschland baute Autos im Wirtschaftswunder. Auch die Schweden konnte passende Fahrzeuge anbieten. Der legendäre Ruf von Volvo begründet sich bis heute auf die „Buckelvolvos“ und die darauf folgende „Amazone“. Daneben gab es auch noch Saab, die lange auf den Zweitaktmotor setzten und endlich mit ihrem phantastischen Saab 96 einen ebenso deutlichen Akzent setzten. Viele skandinavische Rallyasse begannen ihre Motorsportkarrieren auf Saab.

In Deutschland pflegte man in der Zeit des Wirtschaftswunders „deutsch“ zu fahren. Made in Germany hieß die Devise.

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Ein schöner Rücken kann auch entzücken! Schwedenstahl! Solide, schnell und unverwüstlich. Der Buckelvolvo. Die fünfziger Jahre lassen Grüßen. Foto: A.Ohlmeyer
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Auch der Ford 12m ist ein Kind der fünfziger Jahre. Hier sehen wir den Vorläufer des sogenannten Streifenhörnchens, des 12m, der an den Flanken jeweils einen weißen Streifen trug. Dieser hier ist ein „Weltkugel-Taunus“, wie wir im folgenden Bild sehen können. Foto: A.Ohlmeyer

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Die Weltkugel in der „Knubbelnase des Ford Taunus 12m. Foto: A.Ohlmeyer

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Der Prinz 4 von NSU, ein damals sehr modernes Auto mit Zweizylinder Heckmotor. Das Design ist wohl dem Chevrolet Corvair entlehnt, mit seiner rundum laufenden Zierleiste. Aber im gegensatz zu dem US-Wagen, dem man nachsagte er sei „Unsafe at any speed!“, war der Prinz ein sehr beliebtes und geschätztes Fahrzeug, das auch heute noc zu relativ moderaten Preisen zu haben ist, fall sich jemand dafür entscheidet. auch die Leistung reicht aus, um zumindest imaußer- und innerstädtischen Verkehr mitzuschwimmen.   Foto: A.Ohlmeyer

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Und das soll jetzt ein Motor sein? Der kleine Prinz 4 mit seinem Hecktriebwerk. Es gan also auch damals schon Downsizing – oder war da das Upsizing des immer großer, immer stärker, immer aufgeblasener und immer teurer noch nicht ganz abgeschlossen? Foto: A.Ohlmeyer

Zum Abschluß haben wir hier aber auch für die Zweiradfreunde einen Leckerbissen zu bieten. Ein kleiner Schwarm Wespen zum Beispiel. Verschiedene Baujahre, aber immer ein Genuß für die Augen! Leider war kein Tourist von Heinkel dabei, aber was nicht ist, kann ja bei der nächsten Auflage noch werden, oder?

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Piaggio war mit verschiendenen Wespen unterschiedlicher Baujahre vertreten. Immer wieder ein entückender Anblick. Foto: A.Ohlmeyer

 

Opel Olympia Rekord 1955

Auf einem Streifzug durch die Stadt, lief mir heute auf einem Fest ein schicker schwarzer Opel Rekord über den Weg. Okay, er lief nicht. Er stand da, auf einem kleinen Podest und ich sah mich gezwungen, sofort meine Kamera zu zücken und ein paar Bilder zu schießen. Ich war auf das „Fest der Sinne“ geraten und der feine Opel war nicht das einzige alte Fahrzeug, das man bewundern konnte und mußte…

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Opel Olympia Rekord Bj. 1955 in schickem schwarzen Lack und viel, sehr viel Chrom. Man beachte die damals nur als Zubehör erhältliche Auspuffblende im Fischschwanzdesign… (Foto:A.Ohlmeyer)

Dieser Wagen war für die damalige Zeit ein topmodernes Fahrzeug und wer sich einen leisten konnte, der durfte mit Fug und Recht von sich behaupten, dass er es geschafft hatte…

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„Opel der Zuverlässige“, war damals sicher keine leere Behauptung. Die Qualität stimmte. (Foto:A.Ohlmeyer)

„Opel der Zuverlässige“ war damals eine Werbeaussage, die durchaus ihre Berechtigung hatte. Der Motor war praktisch nicht kaputt zu kriegen, wenn man ihm ein Mindestmaß an Pflege und Wartung angedeihen ließ. Auf die Karosserie traf das eher weniger zu. Damals war Rostschutz ein Fremdwort und die Widerstandsfähigkeit einer Karosserie gegen Durchrostung definierte sich über die Dicke des Blechs. Echte Probleme bekam Opel erst in den späten siebziger- und den achziger Jahren…

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Ein Charaktergesicht hat er, der Opel Olympia Rekord. Das Bj. 1955 brachte dieses aggressiv ausehende „Haifischmaul“ hervor, welches dem Wagen seinen Spitznamen gab. Vielleicht wollte man damit deutlich machen, dass der Wagen die Kilometer nur so fressen würde? (Foto:A.Ohlmeyer)

Aber als solche Autos noch gebaut wurden und die Straßen des Wirtschaftswunderdeutschland in rauhen Massen bevölkerten, da waren die Welt und das Wirtschaftswunder noch in Ordnung…

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Der nette Besitzer gestattete mir einen Blick ins Wageninnere und auf das stylische Armaturenbrett im Stil der Zeit. Ein wunderschönes Lenkrad mit metallenem Hupenring, gut ablesbarem Tacho und (ich liebe das einfach) einem herrlichen, mit Sonnenblume bestückten Väschen. Daneben glänzt auch noch eine Uhr, alles umrahmt von einer Chromleiste (Foto:A.Ohlmeyer)

Man fragt sich natürlich, wie so ein Auto die Zeitläufte überhaupt überleben konnte. Aber auch wenn der Wagen recht original aussah, so kann man sicher davon ausgehen, dass sowohl in seiner Erhaltung, als auch Wartung, ein großer Haufen Arbeit steckt. Denn so ein Schmuckstück will gehegt und gepflegt werden. Aber so, wie er da steht, ist er es auch wert…

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Ein Emblem, der Name und die Modellbezeichnung zieren die massig wirkende Motorhaube (Foto:A.Ohlmeyer)

Möge der stolze Besitzer dieses feinen Wägelchens noch lange Freude an seinem Opel haben und immer eine Handbreit Platz zu allen Hindernissen, die einem so begegnen können.

Ein weiterer Wagen, den man fast noch als Youngtimer bezeichnen kann, war der VW 412 LE mit luftgekühltem Heckmotor als Kombi. Bei VW hieß diese Karosserieform Variant und es dürfte sich sicher um einen der ersten „Lifestylekombis“ gehandelt haben.

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VW 412 LE Variant, eines der letzten luftgekülten Modelle von Volkswagen mit luftgekühltem Heckmotor. Auch heute noch ein attraktiver Wagen. Sicher nicht ganz einfach zu unterhalten und zu warten, aber wir alle wissen selbstverständlich, wo die Liebe eben so hinfällt… (Foto:A.Ohlmeyer)

Auch von vorne macht der 412 LE eine sehr gute Figur. Doppelscheinwerfer weisen ihn als einen für die damaligen Verhältnisse ziemlich ordentlich motorisierten Wagen aus. Leider lagen die Verbräuche damals recht hoch. aber wenn man ihn „anständig“ fährt…

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VW 412 LE mit Doppelscheinwerfer in der Front. Ziemlich massiv wirkende Chromstoßstangen mit Gummileisten erwecken den Eindruck, nichts könne ihm irgend etwas anhaben (Foto:A.Ohlmeyer)

Und für die Freunde schneller Sportwagen, respektive älterer Porschemodelle, habe ich auch etwas gefunden. Einen offensichtlich für den Renneinsatz modifizierten Porsche 912. Diese Version besaß keinen 6-Zylinder-Boxermotor im Heck, sondern „nur“ einen 4-Zylinder. Damit wollte man jene Kunden zu Porsche locken, die finanziell noch nicht auf dem level angelangt waren, die für den Erwerb eines „echten“ Porsche leider eine der Grundvoraussetzungen sind – bis heute…

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Schöne chromverzierte Fensterrahmen, schnittige Rückspiegel und massive Metallgriffe an den Türen. Das sportliche Schrägheck ist seit damals typisch für die Sportwagen von Porsche (Foto:A.Ohlmeyer)

Mit solchen Geschossen konnte man auf den Rennstrecken der Welt durchaus mit deutlich stärkeren Rennwagen mithalten, oder ihnen sogar den Schneid abkaufen. Porsche wurde zur Legende und sie sind bis heute gefürchtet auf allen Rennstrecken…

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Dem Porsche sieht man an, dass er in seinem Leben schon einiges leisten musste. Aber die Patina ziert einen Wagen und erzählt von Ereignissen, die den Fahrer sicher genauso prägten, wie das Aussehen des Fahrzeugs. (Foto:A.Ohlmeyer)

Alte Autos, Oldtimer, Youngtimer, sie sind kulturelle Zeugnisse und von historischer Bedeutung. Jeder, der so eine Preziose am Leben erhält, trägt damit einen kleinen, aber wichtigen Teil zum Erhalt unserer automobilen Kulturgeschichte bei.

Besuch im Verkehrsmuseum Karlsruhe Teil 2

Wer sich besseres leisten konnte, als der einfache Arbeiter oder der kleine Angestellte, der griff natürlich auch zum größeren und stärkeren Auto. Wer damals in einem Opel  Kadett oder Rekord herum fahren konnte, der durfte mit einigem Recht von sich behaupten, es geschafft zu haben.

Opel Rekord P1 1200

Opel Rekord P1 als zweitürige Limousine, mit todschicken Panoramascheiben, deren Knick am Einstieg der Fahrer- und Beifahrertüre angeblich manch unvorsichtigem Zeitgenossen eine Kniescheibe zertrümmert haben soll. Edel aussehende Chromstoßstangen, ordentliche Heckflossen mit Rücklichtern, die an die Fenster gotischer Kathedralen erinnern. Auf der Hutablage der obligatorische Hut (Foto: A. Ohlmeyer)

Nichts ist natürlich so von gestern, wie die Mode von heute. Das trifft auch und besonders auf die Autos zu. Heute sind sie alle rund gelutscht wie Drops. Damals wandelte sich die Automode teilweise alle ein bis zwei Jahre. Auch im Wirtschaftswunder war morgen das völlig out, was gestern noch todschick und up to date gewesen war. Die Autokonzerne waren natürlich auch versucht, ständig neue Wagen zu verkaufen und am besten ständig mehr. Man hoffte inständig, den „mündigen Verbraucher“ sowiet zu bekommen, dass er sich den jährlichen Kauf eines neuen Autos zumindest überlegte, weil ihm der Wagen den er gerade besaß, im nächsten Jahr einfach zu altmodisch geworden war. Aber wer konnte und wollte sich schon jedes Jahr ein…

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Der Opel Rekord P2 als viertürige Limousine. Die Zweite Generation verfügte immer noch über Heckflossen, aber geänderten Rückleuchten (Foto: A. Ohlmeyer)

…neues Auto kaufen, bloß weil die Automobilindustrie, damals wie heute, den Hals nicht voll genug bekam? Der Deutsche liebte das, was er besaß und er hegte und pflegte es, so gut es ihm nur möglich war. Die Autoindustrie sorgte schon von sich aus dafür, dass kaum ein Auto länger als vielleicht zehn Jahre hielt. Mangeldne rostvorsorge, die zur Zeit des Wirtschaftswunders sowieso noch ein Fremdwort war, wurde nicht getroffen. Der verwendete Stahl war von zweifelhafter Qualität und seine Beständigkeit gegen den Rost bestand lediglich in der Dicke des Materials…

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Die Jugendlichen, sie hießen zur Wirtschaftswunderzeit noch Halbstarke aber standen auf Zweiräder. Mit denen machten sie die Straßen der Städte unsicher und gingen damit den Bürgern gehörig auf die Nerven. Hier eine DKW und eine Zündapp in trauter Zweisamkeit nebeneinander ihren ruhestand genießend (Foto: A. Ohlmeyer)

…wenn man ein Stück Baustahl über den Kotflügel schlagen und daran verbiegen konnte, ohne dass dieser größere Blessuren davon trug, konnte man von einem stabilen und rostresistenten Wagen sprechen. Aber das traf freilich nur auf die wenigsten Autos zu. Heute ist das auch nicht anders. Man kann bestenfalls ein Stück Weichplastik an einer Karosserie verbiegen, aber dann ist auch schon der teure Metallic-Lack verkratzt!

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50 Kubik, manchmal weniger, reichten vollkommen für die Freiheit auf zwei Rädern. Eine schöne und schnelle Kreidler Florett (Foto: A. Ohlmeyer)

Nein, Charakter hat sicher keines der heutigen Autos mehr. Bei den Motorrädern bin ich mir auch nicht so sicher. Dafür besitzen sie Motoren, die eine ungeheure leistung entfesseln und trotz der über Jahrzehnte weiter entwickelten Motorentechnik nicht weniger Sprit verbrauchen als damals. Ja, ich weiß, in den Prospekten der modernen Erzeugnisse deutscher Automobilbaukunst steht etwas anderes drin. Fahrzeuge mit 8 Zylindern und 4,5 Litern Hubraum sollen demnach nur wenig mehr als 6 oder 7 Liter Diesel und Benzin verbauchen. Aber wie wir jetzt wissen, liegt der Fortschritt bei den Verbräuchen und dem Ausstoß von CO2 und Stickoxiden ausschlielich in der Kunst auf den Prüfständen des Kraftfahrtbundesamtes gekonnt zu bescheißen, um die Anforderungen an einen modernen Motor zu erfüllen.

DKW F12 Junior

Der DKW Junior, mit Zweitaktmotor und kleinen Heckflossen. Heute ein Kleinwagen, damals eine Familienlimousine, mit der unser Nachbar, mit Sack und Pack und sage und schreibe 5 (in Worten fünf) Kindern auf dem Rücksitz in Urlaub fuhr (Foto: A. Ohlmeyer)

Umweltschutz spielte im Wirtschaftswunder kaum eine Rolle. Man war fest von den Selbstheilungskräften der Natur überzeugt und warf den Müll in die Wälder. Das Benzin war verbleit, weil es sonst die Motoren zerrissen hätte und man so Klopffestigkeit gewann. Heute hat man immerhin bleifreien Sprit und Katalysatoren, Harnstoffeinspritzung und viele schicke, vor allem aber teure Gimmicks mehr, aber die Umwelt wird nach wie vor verpestet. Damals wusste man es nicht besser. Heute handelt man wider besseren Wissens. Und genau das ist das Verwerfliche an der ganzen Sache!

BMW 700 Coupé

BMW 700 Coupé ein schöner und schneller Wagen, der locker jeden VW Käfer abhängen konnte. Neben der Isetta war der 700er das einzige Auto von BMW mit einem Heckmotor (Foto: A. Ohlmeyer)

Das Verkehrsmuseum in Karlsruhe ist immer einen Besuch wert. Neben den genannten Auto- und Motorradmodellen gibt es eine große Sammlung an Blechspielzeugen aus der Vorkriegszeit und zwei große Modellbahnanlagen im obersten Stockwerk der ehemaligen Fabrikhallen. Die Betreuung der Exponate und Schaustücke ist sehr rührig. Fragen werden jederzeit gerne und ausführlich beantwortet.

Besuch im Verkehrsmuseum Karlsruhe Teil 1


Neulich, es war ein Sonntag und das Wetter recht angenehm, beschloss ich, mir mal wieder einen Besuch im Verkehrsmuseum Karlsruhe zu gönnen. Also machte ich mich auf, fuhr nach Karlsruhe in die Werderstraße 63 und betrat das Museum. Nachdem ich 3,- Euro berappt hatte, einen durchaus angemessenen Preis, wie ich finde, durfte ich nach Herzenslust das die ausgestellten Exponate begutachten und fotografieren. Bedauerlicherweise sind die Öffnungszeiten des Museums ein wenig, nun ja extrem, wie ich finde und zwar am Sonntag von 10:00 bis 13:00 Uhr. Man muss sich also etwas ran halten, wenn man alles ansehen will. Denn es gibt zahlreiche tolle Stücke in der Sammlung. Besonders haben es mir, wie Ihr Euch sicher denken könnt, die Fahrzeuge angetan, die im Zusammenhang mit dem Wirtschaftswunder stehen und davon habe ich einige auf´s digitale Zelluloid gebannt.

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Die Imme R 100 war ein ganz außergewöhnliches Motorrad mit ungewöhnlichem Design und wurde von 1947 – 51 gebaut (Foto: A. Ohlmeyer)

Das Verkehrsmuseum besitzt eine sehr ansehnliche Sammlung an Zweirädern, von denen ganz besonders die Gritzner-Maschinen hervor zu heben sind, die einst in Karlsruhe-Durlach gefertigt wurden. Daneben gibt es zahlreiche Maschinen der MArken BMW, NSU und Triumph, eine Vielzahl an Mopeds, wie die NSU Quickly und auch Fahrräder.

NSU Quickly

NSU Quickly S (Foto: A. Ohlmeyer)

Besondere Aufmerksamkeit verdienen natürlich auch die vielen Kleinstwagen, deren Spektrum von Der BMW Isetta über den Messerschmitt Kabinenroller, den Lloyd Alexander, bis hin zum legendären Goggomobil von Glas oder dem NSU Prinz 4, oder den Trabant aus der DDR.

BMW Isetta

BMW Isetta, die berühmte Knutschkugel, ihr verdankte BMW sein Überleben im Wirtschaftswunder (Foto: A. Ohlmeyer)

Natürlich dürfen wir auch den ebenso seltsamen, wie abstrakten Zündapp Janus nicht vergessen, von dem man leicht irritiert ist, weil man nicht sofort merkt, wo hinten und wo vorne ist. Der Motor ist zwischen den beiden Sitzbänken angeordnet, die jeweils mit den Rücklehnen zueinander im Fahrzeug eingebaut sind. Wer da dann auf der Rücksitzbank durch die Lande kutschiert wurde, konnte froh sein, wenn er nicht von innen gegen die Hecktür kotzen musste. Dafür war die Straßenlage, bedingt durch den Mittelmotor ziemlich gut.

Messerschmitt Kabinenroller Cabrio

Messerschmitt Kabinenroller in der Cabrioversion. Sehr schick, sehr selten, sehr „will-ich-haben!“ (Foto: A. Ohlmeyer)

Diese kleinen, feinen Fahrzeuge bewegten das Wirtschaftswunder. Sie bildeten die Grundlage der individuellen Massenmobilität. Und die Deutschen kauften sie gerne, fuhren damit, bepackt wie die Maulesel, in den Urlaub nach Italien, oder Österreich und sorgten dafür, dass die fleissigen Deutschen wieder fit für ein weiteres hartes Arbeitsjahr in der Fabrik waren.

Goggomobil Limousine

Die Goggomobil Limousine von Glas. Ein kleines, aber ein richtiges Auto. Als BMW den pleite gegangenen Autohersteller Glas übernahm, wurde dieser schnucklige Wagen sogar unter dem Label von BMW weiter verkauft (Foto: A. Ohlmeyer)

Die kleinen Automobile, die sich den Markt teilten, waren der Stolz eines jeden Arbeiters und Angestellten. Sie platzten bald, wenn sie sich solch ein Wägelchen vor die Haustüre stellen konnten und sie hegten und pflegten es meist bis zur Selbstaufgabe. Dennoch fraß der Rost sie meist schneller, als ihre Besitzer sie davor bewahren konnten.

Lloyd Alexander TS

Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd, so hieß es früher mit einer Spur Sarkasmus. Er trug auch den Beinamen Leukoplastbomber, weil er auf Grund der Materialknappheit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, eine aus Sperrholz und Kunstleder gefertigte Karosserie besaß (Foto: A. Ohlmeyer)

Meist besaßen die Kleinstwagen einen schwachbrüstigen, asthmatischen Zweitaktmotor mit nicht mehr als zwei-, oft aber nur einem einzigen Zylinder als Antrieb. Aber für die damaligen Verkehrsverhältnisse reichte das meist aus. Dennoch hieß es zum Beispiel vom Lloyd, wenn sein Motörchen am Rande des obersten Drehzahlbereichs schauerlich kreischte und um Hilfe wimmerte: „Lloyd, steht am Berg und heult!“ Als später der Lloyd Alexander, oder gar der Alexander TS auf den Markt kam, konnte der Besitzer aber schon auf ein richtiges Auto verweisen.

Zündapp Januns Heckeinstieg

Zündapp Janus, vorne so hinten wie hoch, aber reichlich laut wegen des zwischen den Sitzbänken montierten Motors und auch sonst erfrischend anders. Zu anders und zu teuer für den Markt allerdings (Foto: A. Ohlmeyer)

Damals konnte man die kleinen Wirtschaftswunderfahrzeuge für relativ kleines Geld erwerben. Heute muss man tief in die Tasche greifen, wenn man sich ein solches Schmuckstück in die Garage stellen möchte. Für den Preis, den man jetzt dafür berappen muss, bekommt man auch locker einen modernen Wagen der Mittelklasse, aber der hat nicht einen Hauch vondem Charakter und dem Charisma, der diesen Fahrzeugen damals wie heute zu eigen ist!

Heinkel Tourist Motorroller

Der gute alte Heinkel Tourist, ein Motorroller der Spitzenklasse, ausgestattet mit einem Einzylinder-Viertaktmotor was absolut nicht üblich war. Dieser geniale Roller wurde in Karlsruhe hergestellt (Foto: A. Ohlmeyer)

Neben den einfachen Arbeitern und Angestellten gabes auch solche Leute, die sich auf der sozialen Leiter des Wirtschaftswunders weiter oben befanden. Mittlere und leitende Beamte zum Beispiel, oder auch leitende Angestellte. Die hatten natürlich andere Träume von der Mobilität. Sie wollten größere, stärkere Wagen fahren. Opel vielleicht, oder Volkswagen, Ford, Borgward, Mercedes-Benz und all die anderen, die keine oder nur wenige Kleinwagen bauten. Darauf möchte ich im 2. Teil des Berichts eingehen.

Der Wirbulator…

…war eines von unzähligen zeitgenössischen Zubehörteilen für Automobile der 50er und 60er Jahre, die man erwerben konnte, um seinem Fahrzeug die besondere, persönliche Note zu geben. Neben diesem Wirbulator gab es zum Beispiel noch die Sonnenschute und, fast in jedem Auto dieser Epoche, das berühmte Blumenväschen aus Porzellan am Armaturenbrett.

Der Wirbulator

Diese Teile wurden in der Mitte der Motorhaube in einem Abstand von meist 50 bis 60 Zentimetern zur Windschutzscheibe angebracht und sollten durch, wie der Name schon andeutet, Luftverwirbelungen dafür sorgen, dass die anströmende Luft, nebst den darin enthaltenen Insekten, aber auch Regentropfen und Schneeflocken an der Windschutzscheibe vorbeileiten und so dafür Sorge tragen, dass diese auch bei längeren Autofahrten und vor allem im Sommer, möglichst lange frei von hartnäckigen und die Sicht beeinträchtigenden Verschmutzungen blieb. Diese Wirbulatoren waren wie ein kleiner Schild ausgeführt, der auf einem kleinen Fuß saß und jeweils rechts und links der Mitte eine Art Flügel besaß. Die Form sollte die Luftströmung so beeinflussen, dass die Windschutzscheibe nicht so schnell verschmutzen konnte. In den siebziger Jahren kamen diese Anbauteile aus der Mode, was vermutlich auch an den verbesserten Waschanlagen gelegen haben dürfte. Zu Hden Hochzeiten des Wirbulators, konnte man nämlich die Frontscheibe seines Wagens nur an der Tankstelle per Hand und mit Schwämmchen reinigen…

Der Wirbulator, an einer Simca Aronde montiert auf der Zierleiste in der Mitte der Motorhaube, sollte für saubere Scheiben während der Fahrt sorgen, Fotos: A. Ohlmeyer

Der Wirbulator, an einer Simca Aronde montiert auf der Zierleiste in der Mitte der Motorhaube, sollte für saubere Scheiben während der Fahrt sorgen, Fotos: A. Ohlmeyer

…das, was man damals als Scheibenwaschanlage in den meisten Autos fand, verdiente den Namen nicht! Beim Volkswagen Käfer, war es bis in die Neuzeit so, dass der Druck, den man benötigte um das Scheibenwaschwasser aus dem Tank unter der Kofferraumhaube, wo er im Reserverad befestigt war, mit dem Luftdruck aus eben diesem Ersatzrad betrieben wurde. Sank der Druck, kam kaum noch etwas aus den Düsen. Andere Fahrzeuge, wie zum Beispiel der Opel Olympia, aber wohl auch der Ford Taunus, besaßen im Fußraum eine Art Gummiball, den man energisch treten musste, um jeweils einen kurzen Strahl Wassers auf die Scheibe zu spritzen. Meist glich der Druck dem Urinstrahl eines alten Mannes mit heftigen Prostataproblemen. Entsprechend war eben auch die Reinigungswirkung. Auch heute noch ist der Wirbulator als Zubehör käuflich zu erwerben und wird für die Verschönerung von historischen Fahrzeugen eingesetzt.

Die Sonnenschute

Eine Sonnenschute in unterschiedlichen Farben war auch ein besonders beliebtes Zubehörteil, dass der stolze Besitzer eines Automobils gern seinem vierrädrigen Liebling gönnte. Die Schute bestand aus einer Blende aus gefärbtem Acryl, das meist gebogen war und an einem Aluminiumrahmen befestigt war, der an der Oberseite der Windschutzscheibe angeschraubt wurde. Diese Schute war oft verstellbar und konnte mit Hilfe großer Rändelschrauben einige Zentimeter abgesenkt werden, um den Innenraum und die Augen des Fahrers beispielsweise vor starker Sonneneinstrahlung im Hochsommer, aber auch vor tiefstehender Sonne im Winter zu schützen. Heute werden solche Sonnenschuten nur an historischen Fahrzeugen montiert, oder an modernen LKW´s, die dank ihrer großen Frontscheiben mit starker Sonneneinstrahlung zu kämpfen haben.

Sonnenschute an eiiner Simca Aronde, aus blau eingefärbtem klaren Acryl, montiert auf einem Aluminiumrahmen an der Oberseite der Windschutzscheibe, 50er Jahre, Fotos: A. Ohlmeyer

Sonnenschute an eiiner Simca Aronde, aus blau eingefärbtem klaren Acryl, montiert auf einem Aluminiumrahmen an der Oberseite der Windschutzscheibe, 50er Jahre, Fotos: A. Ohlmeyer

So eine Sonnenschute gibt jedem Automobil ein sehr extravagantes Äußeres und dürfte im Sommer seinen Zweck sicher nicht verfehlt haben.Allerdings waren sie auch damals schon nicht ganz billig.

Flower Power aus der Blumenvase

Was damals aber so gut wie in jedem Automobil zu finden war, das sind die berühmten Blumenväschen aus Porzellan, die am Armaturenbrett befestigt waren und regelmäßig mit frischem Grünzeug oder einem Blümchen bestückt wurden. Ich behaupte jeder, wirklich jeder, der im Wirtschaftswunder auf sich hielt, hatte so eine Blumenvase am Armaturenbrett montiert und man muss zugeben, das hat auch heute noch durchaus Stil. Und ich meine damit nicht das obere Ende vom Besen.

VW Bulli mit enzückendem Väschen am Armaturenbrett, Fotos: A. Ohlmeyer

VW Bulli mit enzückendem Väschen am Armaturenbrett, Fotos: A. Ohlmeyer

Luft, Luft, Luft!

Wer selbst so ein älteres Auto sein eigen nennt und (wer tut das wohl nicht?) bei schönem, Sonnigen Wetter unterwegs ist, der wird relatvi rasch bemerken, dass die Elektromotoren, mit denen damals die Belüftung des Innenraums bewerkstelligt werden sollte, meist zu nicht viel mehr in der Lage waren, als ein als ein laues Lüftchen zu erzeugen. Meistens waren die Gebläse kaum in der Lage eine nennenswerte Luftmenge zu bewegen. Das war auch im Winter nicht zu übersehen, wenn man versuchte, seine Scheiben eisfrei zu bekommen. Wenn das wirklich gelang, grenzte das an ein Wunder. Im Sommer aber war es oft so stickig im Wageninneren, dass man die Scheiben komplett herunter drehen msste, um nicht zu ersticken. Klimaanlagen gab es nicht. Es sei denn, man möchte die dreieckigen Ausstellfenster in der Fahrer- und Beifahrertüt als eine frühe Form der Klimaanlage bezeichnen. Um aber nicht alles offen stehen lassen zu müssen, konnte man sich solche tonnenförmigen Geräte an das Fenster der Beifahrertüre hängen, das dann möglicherweise, ja nach Konstruktion, mehr oder weniger Luft in den Innenraum führte.

VW Käfer mit zahlreichem zeitgenössischen Zubehör. Auf dem Dach ein klassischer Gepäckträger mit Ladefläche aus Holzleisten, auf der Beifahrerseite einer Zusatzbelüftung, und einer Sonnenschute aus Blech, Fotos: A. Ohlmeyer

VW Käfer mit zahlreichem zeitgenössischen Zubehör, auf dem Dach ein klassischer Gepäckträger mit Ladefläche aus Holzleisten, auf der Beifahrerseite eine Zusatzbelüftung und einen Suchscheinwerfer, Wirbulator auf der Kofferhaube und einer Sonnenschute aus Blech…, Fotos: A. Ohlmeyer

Klassisch schöne Anbauteile von externen Anbietern, waren im Zubehörhandel erhältlich und die Zier eines jeden Fahrzeugs. Es war die Zeit, bevor sich das optische Tuning des eigenen Wagens in wilden Lackierungen, mächtigen, dafür aber meist nutzlosen Spoilern und Verbreiterungen und einem Fuchsschwanz an der Antenne des Opel Manta A aus achter Hand erschöpften. Aber das war eine andere Zeit und auch das sollte man eigentlich nicht verurteilen, denn in den siebziger und achziger Jahren, war eben das en Vogue.  Es muss einem nicht alles gefallen. Aber man kann nicht seinen eigenen Geschmack und die persönlichen Vorlieben zum Mass aller Dinge erheben. Andere Leute finden andere Dinge schön, als man selber und das ist auch gut so!

Chevrolet Fleetline 1948, mit einer als Zubehör angebauten Belüftung, die Frischluft von außen in den Innenraum leitete. Angetrieben wurde sie durch den Fahrtwind, war also geschwindigkeitsabhängig, Fotos: A. Ohlmeyer

Chevrolet Fleetline 1948, mit einer als Zubehör angebauten Belüftung, die Frischluft von außen in den Innenraum leitete. Angetrieben wurde sie durch den Fahrtwind, war also geschwindigkeitsabhängig,  außerdem trägt dieser Chevy stolz eine mächtige Sonnenschute aus Blech und lackiert in Wagenfarbe, mit sich herum, Fotos: A. Ohlmeyer

weiterführende Links:

  • Cornett (Homepage der Firma Cornett, die seit 1957 Sonnenschuten für die verschiedensten Fahrzeugtypen herstellt!)
  • Hoffmann-Speedster (Spezialist für klassische Volkswagen, das Unternehmen bietet Wirbulatoren und Sonnenschuten als Zubehörteile an!)
  • Die Käferfarm (Shop für VW-Käfer-Teile, bietet klassische Blumenväschen für das Armaturenbrett an!)

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