Die Sache mit dem HB-Männchen

Es gab einmal eine Zeit, man möchte es kaum glauben, da war Zigarettenwerbung noch nicht so verpönt wie heute. Läuft man heutzutage beispielsweise durch einen Supermarkt und ist genötigt, sich an der Kasse die Beine in den Bauch zu stehen, weil das Personal nicht da, krank, oder vielleicht auch einfach nur lustlos ist, dann wird einem zwangsweise der Blick abschweifen, weg von den Quengelwaren, mit denen man Kinder dazu bringt ihre überlasteten Eltern zu nerven und hin zu den Zigarettenpackungen, auf denen in allen Einzelheiten sämtliche Raucherkrankheiten dargestellt und abgebildet werden. Gerade als Nichtraucher möchte man regelmäßig sein Frühstück auskotzen (und zwar hektoliterweise), wenn man verfaulte Zähne, geteerte Lungenflügel und abgesägte Raucherbeine sieht.

Dem echten, durchtrainierten Ketten- und Berufsraucher aber gehen diese Bilder ziemlich am Arsche vorbei. Den jucken die Folgen des Rauchens erst dann, wenn er seine Lunge auf den Frühstückstisch gereihert hat und sie dort, reichlich unappetitlich, auf dem Suppenteller liegt.

Früher war das ganz anders. Natürlich nicht besser, das möchte ich hinzu fügen, denn Werbung muss man nun wirklich nicht machen für ein Produkt, das derart abhängig macht, wie Nikotin und mit derartigen Folgeerscheinungen. Aber solange der Staat gut an den Tabaksteuern verdient, mag er auch nicht wirklich etwas dagegen unternehmen. Denn wenn der Raucher irgendwann anfängt unter seinem Laster zu leiden, und heftig zu husten, dann ist es die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten, die für die Behandlungskosten aufkommt, kommen muss. Der Staat hat die Steuergelder längst verschleudert, wenn sich die Raucher Gedanken darüber zu machen beginnen, dass sie vielleicht doch lieber nicht mit dem Qualmen angefangen hätten.

Aber wir haben früher, abends vor der Glotze sitzend, mit großem Vergnügen Werbung geschaut. Nicht nur Frauengold für die gestresste und etwas lustlose Hausfrau, den fetten Bären von der Bärenmarke Dosenmilch, sondern vor allem das HB-Männchen hatte einen festen Platz in unseren Herzen.

Die einfach gezeichnete Zeichentrickfigur, inoffiziell Bruno genannt, war eine der beliebtesten Werbefiguren im deutschen Fernsehen. Bruno war von cholerischem Temperament und extrem hektisch. „Chillen“, wie man heute wohl sagen würde, war nicht sein Ding. Alles, was scheif gehen konnte in seinem Leben, das ging dann auch schief und zwar so schief, dass Bruno laut fluchend in die Luft ging. Á propos Fluchen. Die Sprache, in der Bruno fluchte, war angeblich Arabisch, und zwar rückwärts abgespielt.

Auf jeden Fall ist Bruno immer ein Auge wert. Und auch heute noch hat er viele Fans. Jedenfalls unter den Älteren, die ihn noch aus ihrer Jugend kennen und sich gern an seine Faxen und Streiche erinnern! Es ist schon gut so, dass man nicht mehr überall mit Tabak- und Zigarettenwerbung überschüttet wird. Aber ganz konsequent ist die liebe Bundesregierung dabei auch wieder nicht. Gerne widerspricht sie sich bei ihrem Kampf gegen den Tabakmißbrauch selbst. Denn wie schon gesagt, die Steuern nimmt sie gerne mit. Aber die Folgen des Tabakmißbrauchs will sie freilich nicht ragen. Aber ist ja auch kein Wunder. Ambivalenz ist der zweite Vornahme unserer BundeskanzlerIn. Oder war es Teflon?

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