Opel Olympia Rekord 1955

Auf einem Streifzug durch die Stadt, lief mir heute auf einem Fest ein schicker schwarzer Opel Rekord über den Weg. Okay, er lief nicht. Er stand da, auf einem kleinen Podest und ich sah mich gezwungen, sofort meine Kamera zu zücken und ein paar Bilder zu schießen. Ich war auf das „Fest der Sinne“ geraten und der feine Opel war nicht das einzige alte Fahrzeug, das man bewundern konnte und mußte…

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Opel Olympia Rekord Bj. 1955 in schickem schwarzen Lack und viel, sehr viel Chrom. Man beachte die damals nur als Zubehör erhältliche Auspuffblende im Fischschwanzdesign… (Foto:A.Ohlmeyer)

Dieser Wagen war für die damalige Zeit ein topmodernes Fahrzeug und wer sich einen leisten konnte, der durfte mit Fug und Recht von sich behaupten, dass er es geschafft hatte…

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„Opel der Zuverlässige“, war damals sicher keine leere Behauptung. Die Qualität stimmte. (Foto:A.Ohlmeyer)

„Opel der Zuverlässige“ war damals eine Werbeaussage, die durchaus ihre Berechtigung hatte. Der Motor war praktisch nicht kaputt zu kriegen, wenn man ihm ein Mindestmaß an Pflege und Wartung angedeihen ließ. Auf die Karosserie traf das eher weniger zu. Damals war Rostschutz ein Fremdwort und die Widerstandsfähigkeit einer Karosserie gegen Durchrostung definierte sich über die Dicke des Blechs. Echte Probleme bekam Opel erst in den späten siebziger- und den achziger Jahren…

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Ein Charaktergesicht hat er, der Opel Olympia Rekord. Das Bj. 1955 brachte dieses aggressiv ausehende „Haifischmaul“ hervor, welches dem Wagen seinen Spitznamen gab. Vielleicht wollte man damit deutlich machen, dass der Wagen die Kilometer nur so fressen würde? (Foto:A.Ohlmeyer)

Aber als solche Autos noch gebaut wurden und die Straßen des Wirtschaftswunderdeutschland in rauhen Massen bevölkerten, da waren die Welt und das Wirtschaftswunder noch in Ordnung…

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Der nette Besitzer gestattete mir einen Blick ins Wageninnere und auf das stylische Armaturenbrett im Stil der Zeit. Ein wunderschönes Lenkrad mit metallenem Hupenring, gut ablesbarem Tacho und (ich liebe das einfach) einem herrlichen, mit Sonnenblume bestückten Väschen. Daneben glänzt auch noch eine Uhr, alles umrahmt von einer Chromleiste (Foto:A.Ohlmeyer)

Man fragt sich natürlich, wie so ein Auto die Zeitläufte überhaupt überleben konnte. Aber auch wenn der Wagen recht original aussah, so kann man sicher davon ausgehen, dass sowohl in seiner Erhaltung, als auch Wartung, ein großer Haufen Arbeit steckt. Denn so ein Schmuckstück will gehegt und gepflegt werden. Aber so, wie er da steht, ist er es auch wert…

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Ein Emblem, der Name und die Modellbezeichnung zieren die massig wirkende Motorhaube (Foto:A.Ohlmeyer)

Möge der stolze Besitzer dieses feinen Wägelchens noch lange Freude an seinem Opel haben und immer eine Handbreit Platz zu allen Hindernissen, die einem so begegnen können.

Ein weiterer Wagen, den man fast noch als Youngtimer bezeichnen kann, war der VW 412 LE mit luftgekühltem Heckmotor als Kombi. Bei VW hieß diese Karosserieform Variant und es dürfte sich sicher um einen der ersten „Lifestylekombis“ gehandelt haben.

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VW 412 LE Variant, eines der letzten luftgekülten Modelle von Volkswagen mit luftgekühltem Heckmotor. Auch heute noch ein attraktiver Wagen. Sicher nicht ganz einfach zu unterhalten und zu warten, aber wir alle wissen selbstverständlich, wo die Liebe eben so hinfällt… (Foto:A.Ohlmeyer)

Auch von vorne macht der 412 LE eine sehr gute Figur. Doppelscheinwerfer weisen ihn als einen für die damaligen Verhältnisse ziemlich ordentlich motorisierten Wagen aus. Leider lagen die Verbräuche damals recht hoch. aber wenn man ihn „anständig“ fährt…

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VW 412 LE mit Doppelscheinwerfer in der Front. Ziemlich massiv wirkende Chromstoßstangen mit Gummileisten erwecken den Eindruck, nichts könne ihm irgend etwas anhaben (Foto:A.Ohlmeyer)

Und für die Freunde schneller Sportwagen, respektive älterer Porschemodelle, habe ich auch etwas gefunden. Einen offensichtlich für den Renneinsatz modifizierten Porsche 912. Diese Version besaß keinen 6-Zylinder-Boxermotor im Heck, sondern „nur“ einen 4-Zylinder. Damit wollte man jene Kunden zu Porsche locken, die finanziell noch nicht auf dem level angelangt waren, die für den Erwerb eines „echten“ Porsche leider eine der Grundvoraussetzungen sind – bis heute…

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Schöne chromverzierte Fensterrahmen, schnittige Rückspiegel und massive Metallgriffe an den Türen. Das sportliche Schrägheck ist seit damals typisch für die Sportwagen von Porsche (Foto:A.Ohlmeyer)

Mit solchen Geschossen konnte man auf den Rennstrecken der Welt durchaus mit deutlich stärkeren Rennwagen mithalten, oder ihnen sogar den Schneid abkaufen. Porsche wurde zur Legende und sie sind bis heute gefürchtet auf allen Rennstrecken…

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Dem Porsche sieht man an, dass er in seinem Leben schon einiges leisten musste. Aber die Patina ziert einen Wagen und erzählt von Ereignissen, die den Fahrer sicher genauso prägten, wie das Aussehen des Fahrzeugs. (Foto:A.Ohlmeyer)

Alte Autos, Oldtimer, Youngtimer, sie sind kulturelle Zeugnisse und von historischer Bedeutung. Jeder, der so eine Preziose am Leben erhält, trägt damit einen kleinen, aber wichtigen Teil zum Erhalt unserer automobilen Kulturgeschichte bei.

Besuch im Verkehrsmuseum Karlsruhe Teil 1


Neulich, es war ein Sonntag und das Wetter recht angenehm, beschloss ich, mir mal wieder einen Besuch im Verkehrsmuseum Karlsruhe zu gönnen. Also machte ich mich auf, fuhr nach Karlsruhe in die Werderstraße 63 und betrat das Museum. Nachdem ich 3,- Euro berappt hatte, einen durchaus angemessenen Preis, wie ich finde, durfte ich nach Herzenslust das die ausgestellten Exponate begutachten und fotografieren. Bedauerlicherweise sind die Öffnungszeiten des Museums ein wenig, nun ja extrem, wie ich finde und zwar am Sonntag von 10:00 bis 13:00 Uhr. Man muss sich also etwas ran halten, wenn man alles ansehen will. Denn es gibt zahlreiche tolle Stücke in der Sammlung. Besonders haben es mir, wie Ihr Euch sicher denken könnt, die Fahrzeuge angetan, die im Zusammenhang mit dem Wirtschaftswunder stehen und davon habe ich einige auf´s digitale Zelluloid gebannt.

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Die Imme R 100 war ein ganz außergewöhnliches Motorrad mit ungewöhnlichem Design und wurde von 1947 – 51 gebaut (Foto: A. Ohlmeyer)

Das Verkehrsmuseum besitzt eine sehr ansehnliche Sammlung an Zweirädern, von denen ganz besonders die Gritzner-Maschinen hervor zu heben sind, die einst in Karlsruhe-Durlach gefertigt wurden. Daneben gibt es zahlreiche Maschinen der MArken BMW, NSU und Triumph, eine Vielzahl an Mopeds, wie die NSU Quickly und auch Fahrräder.

NSU Quickly

NSU Quickly S (Foto: A. Ohlmeyer)

Besondere Aufmerksamkeit verdienen natürlich auch die vielen Kleinstwagen, deren Spektrum von Der BMW Isetta über den Messerschmitt Kabinenroller, den Lloyd Alexander, bis hin zum legendären Goggomobil von Glas oder dem NSU Prinz 4, oder den Trabant aus der DDR.

BMW Isetta

BMW Isetta, die berühmte Knutschkugel, ihr verdankte BMW sein Überleben im Wirtschaftswunder (Foto: A. Ohlmeyer)

Natürlich dürfen wir auch den ebenso seltsamen, wie abstrakten Zündapp Janus nicht vergessen, von dem man leicht irritiert ist, weil man nicht sofort merkt, wo hinten und wo vorne ist. Der Motor ist zwischen den beiden Sitzbänken angeordnet, die jeweils mit den Rücklehnen zueinander im Fahrzeug eingebaut sind. Wer da dann auf der Rücksitzbank durch die Lande kutschiert wurde, konnte froh sein, wenn er nicht von innen gegen die Hecktür kotzen musste. Dafür war die Straßenlage, bedingt durch den Mittelmotor ziemlich gut.

Messerschmitt Kabinenroller Cabrio

Messerschmitt Kabinenroller in der Cabrioversion. Sehr schick, sehr selten, sehr „will-ich-haben!“ (Foto: A. Ohlmeyer)

Diese kleinen, feinen Fahrzeuge bewegten das Wirtschaftswunder. Sie bildeten die Grundlage der individuellen Massenmobilität. Und die Deutschen kauften sie gerne, fuhren damit, bepackt wie die Maulesel, in den Urlaub nach Italien, oder Österreich und sorgten dafür, dass die fleissigen Deutschen wieder fit für ein weiteres hartes Arbeitsjahr in der Fabrik waren.

Goggomobil Limousine

Die Goggomobil Limousine von Glas. Ein kleines, aber ein richtiges Auto. Als BMW den pleite gegangenen Autohersteller Glas übernahm, wurde dieser schnucklige Wagen sogar unter dem Label von BMW weiter verkauft (Foto: A. Ohlmeyer)

Die kleinen Automobile, die sich den Markt teilten, waren der Stolz eines jeden Arbeiters und Angestellten. Sie platzten bald, wenn sie sich solch ein Wägelchen vor die Haustüre stellen konnten und sie hegten und pflegten es meist bis zur Selbstaufgabe. Dennoch fraß der Rost sie meist schneller, als ihre Besitzer sie davor bewahren konnten.

Lloyd Alexander TS

Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd, so hieß es früher mit einer Spur Sarkasmus. Er trug auch den Beinamen Leukoplastbomber, weil er auf Grund der Materialknappheit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, eine aus Sperrholz und Kunstleder gefertigte Karosserie besaß (Foto: A. Ohlmeyer)

Meist besaßen die Kleinstwagen einen schwachbrüstigen, asthmatischen Zweitaktmotor mit nicht mehr als zwei-, oft aber nur einem einzigen Zylinder als Antrieb. Aber für die damaligen Verkehrsverhältnisse reichte das meist aus. Dennoch hieß es zum Beispiel vom Lloyd, wenn sein Motörchen am Rande des obersten Drehzahlbereichs schauerlich kreischte und um Hilfe wimmerte: „Lloyd, steht am Berg und heult!“ Als später der Lloyd Alexander, oder gar der Alexander TS auf den Markt kam, konnte der Besitzer aber schon auf ein richtiges Auto verweisen.

Zündapp Januns Heckeinstieg

Zündapp Janus, vorne so hinten wie hoch, aber reichlich laut wegen des zwischen den Sitzbänken montierten Motors und auch sonst erfrischend anders. Zu anders und zu teuer für den Markt allerdings (Foto: A. Ohlmeyer)

Damals konnte man die kleinen Wirtschaftswunderfahrzeuge für relativ kleines Geld erwerben. Heute muss man tief in die Tasche greifen, wenn man sich ein solches Schmuckstück in die Garage stellen möchte. Für den Preis, den man jetzt dafür berappen muss, bekommt man auch locker einen modernen Wagen der Mittelklasse, aber der hat nicht einen Hauch vondem Charakter und dem Charisma, der diesen Fahrzeugen damals wie heute zu eigen ist!

Heinkel Tourist Motorroller

Der gute alte Heinkel Tourist, ein Motorroller der Spitzenklasse, ausgestattet mit einem Einzylinder-Viertaktmotor was absolut nicht üblich war. Dieser geniale Roller wurde in Karlsruhe hergestellt (Foto: A. Ohlmeyer)

Neben den einfachen Arbeitern und Angestellten gabes auch solche Leute, die sich auf der sozialen Leiter des Wirtschaftswunders weiter oben befanden. Mittlere und leitende Beamte zum Beispiel, oder auch leitende Angestellte. Die hatten natürlich andere Träume von der Mobilität. Sie wollten größere, stärkere Wagen fahren. Opel vielleicht, oder Volkswagen, Ford, Borgward, Mercedes-Benz und all die anderen, die keine oder nur wenige Kleinwagen bauten. Darauf möchte ich im 2. Teil des Berichts eingehen.