Tribut an Carl Benz 2017

Das Wetter hätte besser nicht sein können, als am 11.6.2017 wieder einmal der Carl benz für seine Erfindung des Automobils zustehende Tribut entrichtet wurde. Die Sonne brannte ungehindert vom Himmel, dass man den Eindruck gewinnen konnte, das Hirn laufe einem zu den Ohren heraus und in den weitläufigen Parkanlagen vor dem wunderbaren Karlsruher Schloß reihten sich die chromblitzende Pretiosen aneinander. Teil glänzten sie wie Juwelen in der strahlenden Sonne, zumeist aber duckten sie sich in die schattigen Flecken unter den alleeartig an den Spazierwegen gepflanzten Laubbäumen. Die Kulisse des Schlosses lieferte einen attraktiven Hintergrund für das Ereignis. Leider musste ich fest stellen, dass ich mit meiner neu erworbenen Digitalkamera noch nicht so vertraut bin, wie es des Tributs an Carl benz eigentlich angemessen gewesen wäre. Diese Wechsel zwischen Licht und Schatten, die manchen Old- oder Youngtimer teilweise sehr hell, andererseits aber in Teilen auch reichlich dunkel erscheinen ließen, trübten beim Sichten der Bilder nach der Veranstaltung meine Freude erheblich! Aber nächstes Mal wird alles anders.

Etliche der Teilnehmer sind inzwischen alte bekannte für mich. Sie waren sowohl auf den´m letzten Tribut vor zwei jahren dabei, wie auch auf nahezu jedem Oldtimermeeting in Baden-Baden. Aber die Auswahl wird immer größer und das Ambiente stimmt einfach. Das ist das Schöne daran.

Opel Rekord P1

Opel Rekord P1, der mit den (damals) ultramodernen Panoramascheiben und phantastischer Zweifarbenlackierung Foto: A.Ohlmeyer

Opel Rekord P1 Armaturenbrett

Armaturenbrett des Opel Rekord P1, zeittypisch designed, sehr elegant Aus dieser Perspektive ist die in den Türausschnitt herein ragende Panoramascheibe gut zu erkennen, der man nachsagte, sie sei kniescheibenmordend. Angeblich hätten sich unvorsichtige Autofahrer und -innen beim Einsteigen reihenweise die Kniescheiben zertrümmert! Wer´s glaubt…  Foto: A.Ohlmeyer

Mir persönlich haben es ja die sogenannten Brot-und-Butter-Autos angetan, insbesondere aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Ja, auch wen es abgedroschen klingt, kann ich es nur ständig wiederholen: Damals hatten die Autos noch Charakter, natürlich auch die Mopeds und die Motorroller, es ging alles eine Spur gemütlicher vonstatten. Man hatte zwar genauso wenig Zeit, wie heute, aber der Tag war nicht ganz so stringent durchstrukturiert. Es gab kein ABS, keine Antischlupfregelung, keinen Spurassistenten und meist auch keine Klimaanlagen. Man klimatisierte den Innenraum seines Wagens mit dem ausgestellten Dreiecksfenster an den Vordertüten und den ausgestellten Seitenscheiben hinten. Das ging auch und wenn nicht, dann hielt man an einem schattigen Plätzchen an, um sich ein wenig zu erholen.

Opel Rekord P1 in einer atemberaubenden, tollen Farbkombination, allerdings frage ich mich, ob die so im Original erhältlich gewesen sein könnte? Foto: A.Ohlmeyer

Aber nicht vielen war es in der Zeit des Wirtschaftswunders vergönnt, sich so einen Wagen leisten zu können. Bei den allermeisten Arbeitern und Angestellten reichte es gerade mal zu einem Käfer, eher noch zu einem der damals in Scharen auf den Straßen zu findenden Kleinstwagen vom Schlage eines Messerschmitt Kabinenrollers, Isetta, oder Lloyd etwa. Und noch viel mehr Menschen mussten sich mit einem Motorroller zufrieden geben, weil die schmale Haushaltskasse einfac nicht mehr hergab. Wer aber irgendwie mobil war, den zog es im Sommer mit Sack und Pack in den sonnigen Süden, nach Italien. Wer erst einmal die Alpenpässe mit ihren teils noch ungeteerten, geschotterten Pisten überwunden hatte, dem lag Italien zu Füßen, die Sonne, das Meer, Mandolinen und Mondschein und den Vino rosso nicht zu vergessen. Das war eine reife Leistung!

Messerschmitt Kabinenroller in schickem Metallicblau. In der „Zugmaschine“ fanden zwei Personen hintereinander Platz. Freie Flächen wurden mit Gepäck ausgestopft, der Rest landete in einem Koffer auf der mit einem Gepäckträger versehenen Motorabdeckung. Und wenn es gar nicht anders ging, dann war da ja noch der Einradanhänger… Foto: A.Ohlmeyer

Not macht erfinderisch, heisst es. Und wenn man in und an seinem Kleinstwagen einfach nicht genug Platz hat um das Reisegepäck zu verstauen, dann hängt man sich einen Hänger hinten dran. Je kleiner und leichter, umso besser. Wem das dann immer noch nicht genug ist, der muss sich entweder ein größeres Auto kaufen, oder seinen Hausstand im Reisebus per Pauschalreisebuchung mitnehmen.

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Ein Einradanhänger mit abschließbarem Kofferraumdeckel und obendrauf noch einmal einem Gepäckträger. So ausgestattet, konnte man mit seinem Kabinenroller durchaus auf große Fahrt gehen! Foto: A.Ohlmeyer

Der Käferfahrer war schon ein wenig besser gestellt, als der Reiter eines Kabinenrollers, oder gar einer Isetta. Was allerdings den Kofferraum angeht, war auch hier schneller tutti, als einem lieb sein konnte. Der Gepäckträger auf der Motorraumklappe im Heck war beim Käfer fast schon obligatorisch. Der gigantische Dachgepäckträger war schon purer Luxus. Diese Träger gab es zum Teil auch mit Holzleisten als Ladefläche, was das beladen erleichtern sollte. Aber sie verkratzten auch schnell und gammelten rasch weg, weil sie Wind und Wetter ausgesetzt waren. Deswegen sind sie heute, wenn man überhaupt noch ein originales Exemplar auftreiben kann, praktisch unbezahlbar!

Ein schön patinierter VW Käfer mit tollem Dachgepäckträger und stilisiertem Surfboard (für was eigentlich, die zeittypischen Koffer reichen doch vollkommen aus) Foto: A.Ohlmeyer

Was in den Fünfzigern als schick galt, wollte in den sechziger Jahren keine Sau mehr fahren. Die barock designten Ford Taunus wurden verbraucht und landeten nahezu sämtlich auf dem Schrott. die geslzenen Winter jener Epoche taten ein Übriges. Rostschutz war ab Werk nicht vorgesehen und dementsprechend schnell hatte man den Gammel in der Karre. Das Ende kam dann meist recht schnell!

Barocktaunus von Ford. Ein typisches 50er-Jahre-Auto mit barocken Formen, schwellendem Chrom und amerikanischem Design. Die Straßenlage glich der einer Schiffsschaukel. Aber angesicht des damals üblichen Straßenzustandes war man durchaus sehr kommod unterwegs. Foto: A.Ohlmeyer

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Der Barocktaunus von hinten. Noch barocker als von vorne. Die Einhausungen der Heckleuchten konnten eine gewissen Ähnlichkeit mit den Kirchenfenstern eines gotischen Doms nicht ganz von der Hand weisen! Aber unter der Kofferraumklappe konnte man das Reisegepäck einer kompletten Famile problemlos verstauen Foto: A.Ohlmeyer

Nicht nur Deutschland baute Autos im Wirtschaftswunder. Auch die Schweden konnte passende Fahrzeuge anbieten. Der legendäre Ruf von Volvo begründet sich bis heute auf die „Buckelvolvos“ und die darauf folgende „Amazone“. Daneben gab es auch noch Saab, die lange auf den Zweitaktmotor setzten und endlich mit ihrem phantastischen Saab 96 einen ebenso deutlichen Akzent setzten. Viele skandinavische Rallyasse begannen ihre Motorsportkarrieren auf Saab.

In Deutschland pflegte man in der Zeit des Wirtschaftswunders „deutsch“ zu fahren. Made in Germany hieß die Devise.

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Ein schöner Rücken kann auch entzücken! Schwedenstahl! Solide, schnell und unverwüstlich. Der Buckelvolvo. Die fünfziger Jahre lassen Grüßen. Foto: A.Ohlmeyer
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Auch der Ford 12m ist ein Kind der fünfziger Jahre. Hier sehen wir den Vorläufer des sogenannten Streifenhörnchens, des 12m, der an den Flanken jeweils einen weißen Streifen trug. Dieser hier ist ein „Weltkugel-Taunus“, wie wir im folgenden Bild sehen können. Foto: A.Ohlmeyer

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Die Weltkugel in der „Knubbelnase des Ford Taunus 12m. Foto: A.Ohlmeyer

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Der Prinz 4 von NSU, ein damals sehr modernes Auto mit Zweizylinder Heckmotor. Das Design ist wohl dem Chevrolet Corvair entlehnt, mit seiner rundum laufenden Zierleiste. Aber im gegensatz zu dem US-Wagen, dem man nachsagte er sei „Unsafe at any speed!“, war der Prinz ein sehr beliebtes und geschätztes Fahrzeug, das auch heute noc zu relativ moderaten Preisen zu haben ist, fall sich jemand dafür entscheidet. auch die Leistung reicht aus, um zumindest imaußer- und innerstädtischen Verkehr mitzuschwimmen.   Foto: A.Ohlmeyer

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Und das soll jetzt ein Motor sein? Der kleine Prinz 4 mit seinem Hecktriebwerk. Es gan also auch damals schon Downsizing – oder war da das Upsizing des immer großer, immer stärker, immer aufgeblasener und immer teurer noch nicht ganz abgeschlossen? Foto: A.Ohlmeyer

Zum Abschluß haben wir hier aber auch für die Zweiradfreunde einen Leckerbissen zu bieten. Ein kleiner Schwarm Wespen zum Beispiel. Verschiedene Baujahre, aber immer ein Genuß für die Augen! Leider war kein Tourist von Heinkel dabei, aber was nicht ist, kann ja bei der nächsten Auflage noch werden, oder?

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Piaggio war mit verschiendenen Wespen unterschiedlicher Baujahre vertreten. Immer wieder ein entückender Anblick. Foto: A.Ohlmeyer

 

Urlaub im Wirtschaftswunder

Wenn das Wetter so ist wie heute, wenn also die Sonne strahlt und der Himmel blau ist und die Temperatur in einem Bereich jenseits der 25° C liegt, wenn man schwitzt und einem der Schweiß in Strömen den Rücken hinunter läuft, dann fällt es einem nicht besonders schwer den Schluß zu ziehen, dass es eigentlich Zeit für einen ausgiebigen, längeren Urlaub sein müsste. Das war im Wirtschaftswunder nicht viel anders. Außer, dass man sehr wahrscheinlich nicht so viel Urlaub zur Verfügung hatte, wie das heutzutage für gewöhnlich der Fall ist. Jedenfalls was Menschen betrifft, die in der glücklichen Situation sind, einen Arbeitsplatz zu besitzen, dessen Arbeitsbedingungen tarifvertraglich halbwegs akzeptabel geregelt sind. Damals war das nicht so. Da hatte man vielleicht drei Wochen Urlaubsanspruch, wenn überhaupt. Und die wollte man genießen. Im Süden. In der Sonne Italiens, Südfrankreichs, oder auch Spaniens.  Wir müssen uns allerdings vor Augen führen, dass es in den 50er bis 60er Jahren und auch noch weit in die 70er Jahre hinein, eher unüblich war, einen organisierten Urlaub im Stile von „All-inklusive“ zu buchen und dann irgendwo hin zu jetten mit nicht viel mehr, als einer Reisetasche mit mehreren Ersatz T-Shirts und zwei Unterhosen, im Gepäck. Die Tourismusbranche war praktische noch nicht erfunden. Hotelburgen, die über dutzende von Kilometern hinweg die Strände verunzierten, gab es auch noch nicht. Es war schon eine Menge Eigeninitiative gefragt, wenn man verreisen wollte. Ein großer Teil der deutschen Wirtschaftswunderbürger verbrachte seine Ferien sowieso in heimatlichen Gefilden, also in Deutschland. Man reiste in die Alpen, um zu wandern, oder in den Schwarzwald und den Harz. Andere, die mehr auf Meer standen, entschieden sich für die Nord- oder die Ostsee. Dort konnte man sich herrlich entspannen und auch mal die Füße ins dezent nahe dem Gefrierpunkt herum rauschende Wasser tauchen.

Messerschmitt Kabinenroller, damit fuhren Leute in den 50er und 60er Jahren über die Alpen bis nach Italien, Fotos: A. Ohlmeyer

Messerschmitt Kabinenroller, damit fuhren Leute in den 50er und 60er Jahren über die Alpen bis nach Italien, Fotos: A. Ohlmeyer

VW Käfer mit beladenem Dachgepäckträger, fertig zum Start in den Urlaub in den 50er und 60er Jahren, Fotos: A. Ohlmeyer

VW Käfer mit beladenem Dachgepäckträger, fertig zum Start in den Urlaub in den 50er und 60er Jahren, Fotos: A. Ohlmeyer

Ab der Mitte der sechziger Jahre wurde es dann üblich, nach Süden zu reisen. Wer kein eigenes Fahrzeug besaß, oder sich die Ochsentour, beispielsweise über den Brenner, nicht zutraute, konnte mit dem Zug fahren. Oder er vertraute sich und die Familie und die kostbarsten Tage des Jahres, einem Busfahrer an, der sein Gefährt im Auftrag eines Reisebüros in den Süden lenkte. Problematisch war dabei immer das Gepäck. Da der Stauraum in Bus und Bahn eher begrenzt, die Zahl der Mitreisenden dafür aber umso größer war, musste man sich eben ein wenig einschränken. Aber nicht nur da. Auch wer auf eigener Achse den Weg in den Süden suchte, unter zuhilfenahme einer möglichst aktuellen Straßenkarte, der musste sich immer mit den Platzverhältnissen in seinem motorsierten Gefährt beschäftigen. Denn je nachdem, was für ein Fahrzeug man sich leisten konnte, war auch hier ein gewissen Maß an Zurückhaltung geboten. Menschen, die zu zweit unterwegs waren, konnten sich vielleicht einen Kabinenroller leisten, oder auch nur einen Motorroller. Da war nicht viel Platz, an dem man sein Gepäck verstauen konnte. Der Motorroller verfügte über einen Gepäckträger und ein klein wenig Platz in einem Rucksack und, wenn es sich um einen Heinkel Tourist handelte, einen weiteren kleinen Gepäckträger vor dem Lenker über dem Scheinwerfer. Den Kabinenroller konnte man mit etlichen kleineren Gepäckstücken ausstopfen und auf der Heckklappe, unter der sich der winzige Zweitaktmotor verbarg, montierten viele Reisende einen Gepäckträger, auf dem man ein zusätzlichen Köfferchen befestigen konnte. Da war gute Planung angesagt, denn wer konnte es sich damals schon leisten, im Urlaub jeden Tag in irgendeinem Restaurant zu abend zu essen, mittags ebenfalls irgendwo eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen, ganz zu schweigen vom Frühstück. Das alles kostet Geld. Geld, dass die meisten einfach nicht besaßen, bei den damals üblichen Monatslöhnen. Also musste ein kleines Zweimannzelt (eine sogenannte Dackelgarage!) mit und ein Gas- oder Petroleumkocher, nebst Kochgeschirr, um sich selbst versorgen zu können. Ein paar Kleidungsstücke, auch etwas wärmere Teile, falls das Wetter nicht den Erwartungen entsprechen sollte, waren auch immer dabei. So bepackt, ging es über hunderte, ja tausende von Kilometer in den Süden, der Sonne entgegen. Die Vorfreude war enorm, die Erwartungen hoch und der Traum vom Urlaub rückte mit jeder Stunde, die die Fahrt dauerte, näher. Man muss sich das wirklich einmal vorstellen. Zwei Menschen, eingepfercht in eine rollende Käseglocke namens Kabinenroller, oder auf einem Motorroller, beide kaum mehr als 80 km/h schnell – in unbeladenem Zustand – und dann, erst über die bundesdeutschen Straßen bis an die Alpen, dann über die Alpen hinüber (meist über den Brenner), dann weiter durch Nord- und Mittelitalien, bis ans Ziel der Wünsche, die Adria, die Insel Capri, den Golf von Neapel oder was weiß ich, wohin noch überall. Das war zweifellos eine echte Tortur. Wer das überstand, bei den damaligen Straßenverhältnissen (ein gut Teil der Alpenpässe war noch nicht einmal mit einer Asphaltschicht versehen, der war wirklich am Ziel seiner Träume angelangt.

Wohnwagen Eriba Pan 1967, so luxuriös könnte man in den 60er Jahren schon reisen, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Eriba Pan 1967, so luxuriös könnte man in den 60er Jahren schon reisen, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Eriba Pan 1967, bequeme Sitzecke mit versenkbarem Tisch und den zeittypischen "Paradekissen", Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Eriba Pan 1967, bequeme Sitzecke mit versenkbarem Tisch und den zeittypischen „Paradekissen“, Fotos: A. Ohlmeyer

Die etwas besser gestellten Menschen besaßen damals schon ein Auto, ein echtes Auto, mit vier Rädern und einem festen Dach über dem Kopf. Einen VW Käfer zum Beispiel. Zwar noch mit einem Brezelfenster im Heck, oder einem ovalen Heckfenster, aber immerhin. Vielleicht fuhr man auch einen Lloyd (genau der, der immer am Berg steht und heult, wie man damals schonungslos zu lästern pflegte), einen Ford 12m, einen Opel Olympia? An die größeren Fahrzeuge konnte man sogar einen Anhänger hängen, vielleicht sogar einen Wohnwagen. Die allermeisten aber machten aus ihrem Auto einen Packesel. Der Kofferraum wurde bis zum Anschlag vollgestopft mit Taschen und Koffern. Dann wurde der Dachgepäckträger mit Koffern beladen, diese mit Schnur befestigt und fertig war der Reisewagen für die große Tour. Drinnen saßen die Eltern auf den Vordersitzen, hinten die Kinderchen, oft Stücker zwei oder drei. Niemand war angeschnallt. Alles sprang und tobte durcheinander und hoffte, dass nichts passierte unterwegs.

Wohnwagen Eriba Pan 1967, Küchenblock mit Gasherd, Kühlschrank vorne rechts und Heizung unter dem Schrank, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Eriba Pan 1967, Küchenblock mit Gasherd, Kühlschrank vorne rechts und Heizung unter dem Schrank, Fotos: A. Ohlmeyer

Wer einen Wohnwagen besaß, meist waren das faltbare Wohnwagen in der Art, dass man das Dach aufstellen konnte, um Stehhöhe zu erlangen. Teiweise konnte man die Wände herausziehen um Platz zu gewinnen, wenn man auf einem Campingplatz einen Stellplatz ergattern konnte. Die Innenausstattung war eher bescheiden, wenn man es mit heutigen Campingmobilen, oder Wohnwagen vergleicht. An eine Toilette, oder Dusche im Wohnwagen war nicht zu denken. Sie waren einfach zu klein und man musste Gewicht sparen. Die als Zugmaschinen vorgesehenen Automobile waren noch ziemlich schwachbrüstig. Also musste das Gewicht der Wohnwagen entsprechend gering sein. Am beliebtesten waren die Faltwohnwagen, die man sogar hinter einen Fiat 500 hängen konnte. Sie waren meist etwas breiter als ein gewöhnlicher Anhänger und nicht viel höher als einen halben Meter. Stand man auf einem Campingplatz, klappte man das Teil auseinander. Das Dach nach oben, das Heck wurde heraus gezogen, Die Wände aufgeklappt, teils aus Holz, teils aus Zeltstoff. Es gab winzige Waschbecken, ein- oder zweiflammige Gaskocher zum Zubereiten der Mahlzeiten. Gelegentlich war sogar ein Kühlschrank, oder eine Kühlbox eingebaut. Siztecke, versenkbarer Tisch, aus denen man eine Liegewiese bauen konnte, wenn man schlafen gehen wollte, rundeten die Ausstattung ab. Ein Schränkchen, ein Kanister mit Wasser, ein Picknickkorb. Mehr brauchte es nicht, um glücklich zu sein.

Wohnwagen Dethleffs Tourist 1955, aufstellbares Dach, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Dethleffs Tourist 1955, aufstellbares Dach, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Dethleffs Tourist 1955, Sitzecke mit Heizung,, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Dethleffs Tourist 1955, Sitzecke mit Heizung, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Dethleffs Tourist 1955, Küchenzeile, mit Elektrokochfeld mit zwei Platten, Waschbecken und entzückendem Wasserhahn. man beachte den Toaster auf der Küchenablage,, Fotos: A. Ohlmeyer

Wohnwagen Dethleffs Tourist 1955, Küchenzeile, mit Elektrokochfeld mit zwei Platten, Waschbecken und entzückendem Wasserhahn. man beachte den Toaster auf der Küchenablage, Fotos: A. Ohlmeyer

Schaut man sich die Ausstattungen heutiger Wohnwagen an, muss man sich schon die Augen reiben. Natürlich braucht der Mensch von heute wesentlich mehr, als die Leute damals. Man hatte ja auch wesentlich weniger Ansprüche. Das ist heute anders. Alles, absolut alles ist heute ein Statussymbol, mit dem man sich und seiner Umwelt zeigen muss,m zu was man es gebracht hat, selbst wenn man es garnicht bezahlt hat. „Gelobt“ seien Leasing- und Ratenzahlungsverträge. Ein Reisemobil ohne WC und Dusche? Undenkbar! Kein Fernseher an Bord? Ja scheiß doch die Wand an! Wie war man in den 50er und 60er Jahren doch so schön bescheiden. Jedenfalls meistens. Oder wenigstens manchmal. Denn auch damals zeigte man gern, was man hat. Mit solchen Voraussetzungen war ein abenteuerlicher Urlaub garantiert, von dem man das ganze restliche Jahr zehren konnte, bis es einen wieder in den Süden zog.

Faltwohnwagen, Sitzecke, Fotos: A. Ohlmeyer

Faltwohnwagen, Sitzecke, Fotos: A. Ohlmeyer

Faltwohnwagen, Sitzecke mit seitlicher Ablage, man beachte das wunderschöne Philipps Phileta Röhrenradio aus den 50er Jahren, Fotos: A. Ohlmeyer

Faltwohnwagen, Sitzecke mit seitlicher Ablage, man beachte das wunderschöne Philipps Phileta Röhrenradio aus den 50er Jahren, Fotos: A. Ohlmeyer

Faltwohnwagen, Küchenblock mit Elektrokochfeld mit zwei Platten und Waschbecken, Fotos: A. Ohlmeyer

Faltwohnwagen, Küchenblock mit Elektrokochfeld mit zwei Platten und Waschbecken, Fotos: A. Ohlmeyer

Wieder andere Menschenbesaßen zwar ein „echtes“ Automobil, aber keinen Wohnwagen und sie waren auch nicht bereit, ihr Dach mit einem Dachgepäckträger zu verunstalten und so den Luftwiderstand enorm zu erhöhen und damit den Spritverbrauch. Also entschieden sie sich für einen Hänger, in dem sie ihr Urlaubsgepäck vertauten und so im Innenraum ihres Autos nur unwesentliche Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Oder die Familie war damals so zahlreich, dass der kleine Anhänger notwendig war, um alles was nötig war auch mitnehmen zu können. Wenn ich mich selbst erinnere, wie ich mit meinen Eltern in den frühen sechziger Jahren in den Urlaub fuhr, im Opel Kadett A, dann hatte ich danals und habe es auch bis heute, das unbestimmte Gefühl, wir hätten damals stets den kompletten Hausstand mit in den Urlaub genommen. Bettzeug, Kleidung, Bügeleisen, ein paar Ersatzteile für das Auto, ja sogar Kühlflüssigkeit für den Notfall. Ein 20-Liter-Blechkanister mit gutem deutschen Superbenzin, damit man unterwegs möglichst nicht tanken musste, bevor man das Ziel im österreichsichen Kärnten erreicht hatte, Spielzeug, Badesachen, Lebensmittel (ja wirklich!), eine Spielesammlung für schlechtes Wetter. Das Kofferradio vom regal im Wohnzimmer, das meine Mutter während unserer Ferienfahrten immer zwischen den Knien halten musste, damit Papa nachrichtentechnisch immer auf dem Laufenden war und sich mit Musik bedudeln lassen konnte.

Westfalia Gepäckanhänger aus den 50er Jahren, Fotos: A. Ohlmeyer

Westfalia Gepäckanhänger aus den 50er Jahren,  ein extra Kofferraum auf Rädern, Fotos: A. Ohlmeyer

Auf dem Flohmarkt eingesackt!

Als ich morgens gegen 7:30 Uhr erwachte, war mir klar, dass ein besonderer Tag vor mir liegt. Ein Flohmarkttag vom Feinsten. Sonne, sicherlich deutlich über 28° C und zwar plus, nach den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Also ging es los. Auf dem Parkplatz vor dem Wildparkstadion in der Karlsruher Waldstadt, findet jeden Freitag ein Flohmarkt statt. Zugegebenermaßen ist der nicht immer gleich. Mal ist er richtig gut, mal weniger, mal ist es proppenvoll, dann wieder verliere sich ein paar Unentwegte zwischen den Ständen. Viele Anbieter sieht man nahezu jeden Freitag. Aber das ist ja nicht das Schlechteste. Oft wird wirklich nur irgendwelcher Krempel angeboten. Dann aber wieder sind richtige Schnäppchen dabei. So wie heute. Heute war so ein Tag. In meiner Erinnerung war der Flohmarkt noch nie so groß wie heute. Noch nie habe ich so viele Anbieter dort gesehen. Noch nie liefen so viele Leute durcheinander. Gleich am ersten Stand, den ich näher in Augenschein nahm, wurde ich auch schon fündig. Ein zierliches Wandväschen.

Wandvase Porzellan, 50er Jahre, Foto: A. Ohlmeyer

Wandvase Porzellan, 50er Jahre,                          Foto: A. Ohlmeyer

Wandvase Porzellan, 50er Jahre, Foto: A. Ohlmeyer

Wandvase Porzellan, 50er Jahre,                          Foto: A. Ohlmeyer

Wenn ich nur mal so ein verdammtes Originalteil für das Auto finden könnte. So wie man es in den 50er Jahren in beinahe jedem VW Käfer am Armaturenbrett fand. Aber mein Teil war aus Porzellan und sieht ein wenig anders aus, als die Exemplare, die ich schon mein eigen nenne. Aber man kann ja auch nicht immer alles haben, oder? Okay, weiter! Ein paar Stände entfernt, lag ganz unscheinbar ein Aschenbecher herum. Kaum hatte ich ihn in der Hand, erklärte die mir die Herrin der Preziosen, der ist aus den 50er Jahren, da hab ich selbst noch mit geraucht. Naja, andere Leute rauchen Zigaretten, warum sollte es nicht jemand mit einem Aschenbecher versuchen? Gesagt, getan, ich nahm das Teil mit. Für einen Euro macht man ja auch nicht viel kaputt und bei dem Preis traut man sich ja nicht einmal zu handeln.

Aschenbecher, Porzellan, 50er Jahre, Fotos: A. Ohlmeyer

Aschenbecher, Porzellan, 50er Jahre,              Fotos: A. Ohlmeyer

Aber das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, wie man so schön zu sagen pflegt. Weiter ging´s. Noch ein Stand abgeklappert und noch einer und dann, mitten zwischen anderem Plunder, entdeckte ich ein mit Kunststoff umwickeltes Henkelchen und als ich danach griff, hatte ich wieder einen wunderbaren Salzstangenspender in der Hand. Vermessingtes Blech und Messingdraht, so wie´s aussieht, ein eintzückendes kleines Deckchen dabei und erneut eine Verkäuferin am Ohr, die mir mit weinerlicher Stimme erläuterte, dass wundervolle Exemplar sei aus ihrem privaten Besitz, aber weil sie ins Seniorenheim gehe, müsse sie sich von einigen lieb gewordenen Stücken trennen. Da ich es mir zur Angewohnhjeit gemacht habe, immer erst einmal einen etwas verdatterten Blick auf so ein Prachtstück zu werfen und dann so tue, als überlege ich mir, wozu es gut sein solle, hub diese ältere Dame sofort an, mir zu erläutern, um was es sich dabei handelt. Das ist von 1955. Sie hat es damals selbst gekauft Und man legt auf das Schälchen die Salzstangen und an die Stangen hängt man die Salzbrezelchen. Ich hob die Augenbrauen und lauschte ihr sehr aufmerksam, nickte beiläufig und fragte dann nach ihrer Preisvorstellung. Ich nannte ihr den Preis, den ich zu zahlen bereit war und wir einigten uns schließlich zu unserer beider Zufriedenheit.

Salzstangenspender 1955, Fotos: A. Ohlmeyer

Salzstangenspender 1955, Fotos: A. Ohlmeyer

Salzstangenspender 1955, Fotos: A. Ohlmeyer

Salzstangenspender 1955, Fotos: A. Ohlmeyer

Außerdem fand ich ein paar ganz reizende Dessertteller aus den fünfziger Jahren, die aus farbigem Glas gefertigt wurden und einen goldenen Rand besitzen. Sie zieren nun ebenfalls meine Sammlung und es wird wirklich Zeit, dass ich mich um eine Möglichkeit kümmere, um meine Preziosen in angemessenem Ambiente zu präsentieren. Ein Schrank aus den 50er Jahren vielleicht, oder ein Regal für den Anfang? Ich überlege noch.

Dessertteller 50er Jahre, Glas, Fotos: A. Ohlmeyer

Dessertteller 50er Jahre, Glas,                             Fotos: A. Ohlmeyer

Und jetzt, aufgemerkt. Zu guter Letzt präsentiere ich Euch eine Erwerbung, die ich meiner Frau vermacht habe, damit sie ihre Wolle darin verwahren kann. Denn das Zeug liegt ständig überall in der Wohnung herum, inklusive den dazu gehörenden Strick- und Häkelnadeln. Darum habe ich ein paar Euro in einen Wäschepuff investiert.  Außen hat er einen Stoffbezug mit dem zeittypischen Muster und innen einen Kunststoffbezug. Das ganze Teiö steht auf vier hölzernen Füßen. Ihr habt es sicher gleich erkannt. Die Dessetteller präsentiere ich auf eben jenem Wäschepuff. Aber damit man sich das Ding noch einmal ganz genau anschauen kann, gibt´s noch ein Foto extra. Man beachte die wundervolle Kordel, zum Öffnen des Deckels.

Wäschepuff aus den 50er Jahren, mit Stoffbezug im zeittypischen Design, Fotos: A. Ohlmeyer

Wäschepuff aus den 50er Jahren, mit Stoffbezug im zeittypischen Design, Fotos: A. Ohlmeyer

Wäschepuff aus den 50er Jahren, mit Stoffbezug im zeittypischen Design, Fotos: A. Ohlmeyer

Wäschepuff aus den 50er Jahren, mit Stoffbezug im zeittypischen Design, Fotos: A. Ohlmeyer

Tja, selten war ein Streifzug über den Flohmarkt so erfolgreich für mich und mein 50er Jahre Ego. Aber man muss manchmal einfach ein bisschen Glück haben. Zum krönenden Abschluß entschied ich mich dann noch für einen kurzen Besuch bei Tom´s Oldie Schallplatten und Poster Laden in Karlsruhe in der Erbprinzenstraße. Der kleine Laden liegt gegenüber dem ECE-Center und geht neben den übrigen Gebäuden beinahe unter. Läuft man vorbei, sieht man ihn zwar, aber irgendwie ist er nicht wirklich präsent. Auch ich bin schon oft daran vorbei gegangen. Aber nun war´s endlich soweit. Wir kamen sofort mit Tom, dem Chef, in´s Gespräch und kaum hatte ich meine Wünsche geäußert, schleppte er auch schon etliche prall gefüllte Kartons mit 7″-Single-Platten mit meinen Favoriten herbei, damit ich nach Herzenslust stöbern konnte. Anschließend brachte er mir LP´s verschiedener Interpreten, die ich ihm beiläufig im Gespräch genannt hatte. Na und was soll ich sagen? Ich hätte locker einen halben Monatslohn dort liegen lassen können und dabei noch immer nicht alles, was mir gefällt eingesackt. Aber sicher ist, dass ich bald wieder dort aufschlage und dann, das habe ich mir echt fest vorgenommen, werde ich mir eine prächtige Ladung Doo-Wop-Platten zulegen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer also etwas sucht, zum Beispiel auch Zeitschriften aus den 50er und 60er Jahren, der wird natürlich auch fündig.

Schallplatten aus Tom´s Schallplatten und Poster Laden in Karlsruhe, Fotos: A. Ohlmeyer

Schallplatten aus Tom´s Schallplatten und Poster Laden in Karlsruhe, Fotos: A. Ohlmeyer

weiterführende Links:

Tom’s Oldie Schallplatten und Poster

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Der Ford 17m Barocktaunus

Im Jahr 1957 brachte Ford Deutschland sein neues Modell P2 in der oberen Mittelklasse auf den bundesdeutschen Automobilmarkt, der massgeschneidert schien für die aufstrebende Mittelschicht im Wirtschaftswunder – den Ford 17m Barocktaunus, so genannt nach seiner schwellenden, barocken Formensprache. Man bezeichnete sie auch als Gelsenkirchener Barock, oder auch, angelehnt an die, den damaligen Straßenverhältnissen geschuldete, butterweiche Federung, als Fliegenden Teppich. Immerhin steckte er Unebenheiten und Schlaglöcher locker weg.

Ford Taunus 17m de Luxe, Bj. 57-59, der sogenannte Barocktaunus, in betörend schöner Zweifarblckierung, Foto: A. Ohlmeyer

Ford Taunus 17m de Luxe, Bj. 57-60, der sogenannte Barocktaunus, in betörend schöner Zweifarblckierung, Foto: A. Ohlmeyer

Der Motor besaß 1,7 Liter Hubraum, verteilt auf 4 Zylinder und leistete 60 PS. Entsprechend dem Zeitgeschmack hatte der 17m recht ansehnliche Heckflossen und darin eingelassen tropfenförmige Rückleuchten. Es gab ihn in mehreren Karosserievarianten, von der Limousine (2- und 4-türig), über den Kombi, bis hin zum schicken Cabriolet. Für die verwöhnteren, zahlungskräftigeren Kunden gab es die Ausführung „de Luxe“ mit reichlich Chromschmuck und Brokatstoffen im Innenraum und Zweifarblackierung der Karosserie.

Ford Taunus 17m de Luxe, Bj. 57-59, der sogenannte Barocktaunus, in betörend schöner Zweifarblckierung, Foto: A. Ohlmeyer

Ford Taunus 17m de Luxe, Bj. 57-60, der sogenannte Barocktaunus, in betörend schöner Zweifarblckierung, Foto: A. Ohlmeyer

Der Ford 17m sieht aus wie eine Miniaturausgabe der mächtigen, chrombeladenen Straßenkreuzer in den Vereinigten Staaten. Auch das Fahrverhalten dürfte angesichts der blattgefederten Hinterachse recht abenteuerlich gewesen sein. Dazu kam eine Verzögerung durch vier Trommelbremsen, die schon bei mittleren Geschwindigkeiten reichlich grenzwertig gewesen sein dürfte. Wenn man sich vorstellt, wie viele Wirtschaftswunderbürger mit ihrem Barocktaunus auf der Fahrt in den wohl verdienten Urlaub damals vollbeladen die Alpenpässe überquert haben, kann man nur den Hut ziehen vor ihrem Mut. Aber man kannte ja nichts anderes. Ein VW Käfer oder ähnliche Fahrzeuge, hatten auch nicht mehr aufzubieten.

Ford Taunus 17m de Luxe, Bj. 57-59, der sogenannte Barocktaunus, in betörend schöner Zweifarblckierung, Foto: A. Ohlmeyer

Ford Taunus 17m de Luxe, Bj. 57-60, der sogenannte Barocktaunus, in betörend schöner Zweifarblckierung, Foto: A. Ohlmeyer

1960 wurde der Barocktaunus, nach einer leichten Überarbeitung 1959, vom P3, der legendären „Badewanne“ abgelöst. Die harten Winter mit Unmengen an Streusalz in den 50er und 60er Jahren, sowie den nicht vorhandenen Rostschutz der damligen Zeit, haben so gut wie keine P2-Modelle überlebt. Sie wurden herunter geritten und gammelten den Zweit- oder Drittbesitzern meist unter dem Hintern weg. Deshalb sind die wenigen noch erhaltenen Exemplare heute echte und gesuchte Raritäten.

Ford Taunus 17 M Kombi Werbung

Ford Taunus 17 M Kombi Werbung

Ford Taunus 17 M Limousine Werbung

Ford Taunus 17 M Limousine Werbung

weiterführende Links:

Endlich wieder zu Hause

Mehr als vierzig Jahre nachdem ich meinen Stadtteil, in dem ich als Kind lebte und aufgewachsen bin, verlassen musste, bin ich an den Ort meiner Kindheit zurück gekehrt! Ich bin wieder da. Bin wieder zu Hause! Ich wohne nun zwar in einer anderen Straße, aber in eben demselben Stadtteil, der meine Kindheitserinnerungen so entscheidend geprägt hat, dass ich mich eigentlich nie wieder irgendwo richtig heimisch gefühlt habe – ich bin wieder in der Karlsruher Waldstadt. Und ich werde hier nicht wieder weg gehen, bis man mich, mit den Füßen zuerst, aus der Wohnung trägt!

Es hat sich nicht viel verändert. Und doch ist jetzt alles ganz anders, als ich es erinnere. Die Leute, die ich kannte, die Nachbarn, die Freunde, alle sind fort. Die Alten starben, die Jungen zogen weg und gründeten eigene Familien, irgendwo in Deutschland, wohin der Wind und die Arbeit sie verschlugen. Ich wünsche ihnen, dass es ihnen gut erging, dass sie Fuß fassen konnten und sich ein eigenes, neues Leben aufbauen konnten. So wie ich es auch tat. Nach ihnen kamen andere Leute, neue Familien, lebten hier, waren glücklich, oft aber auch nicht, liebten sich, trennten sich vielleicht, bekamen Kinder, zogen sie groß und starben oder wurden ins Altenheim abgeschoben, weil sich niemand mehr um sie kümmern konnte oder wollte!

Ein Teil der Häuser ist jetzt dick isoliert, um den neuesten Wärmeschutzverordnungen zu genügen und die Heizkosten zu senken. Die Fenster sind ebenfalls neu und zugfrei. Es gibt Fernwärme. Niemand muss mehr in den Keller hinunter rennen und täglich mehrere Eimer Kohlen herauf schleppen, damit die Bude im Winter nicht kalt wird.  Oder im Sommer der Ofen im Badezimmer. So gesehen ist der Fortschritt auch hier deutlich spürbar und das obwohl die Mieten hier noch bezahlbar sind! Natürlich sieht es nicht überall gleich komfortabel aus. Es gibt auch noch die Gebäude, an denen nichts, aber auch garnichts gemacht wurde. Nur dass statt der Kohleheizung nun Gasöfen in den Zimmern stehen haben. Aber durch die alten Fenster pfeift der Wind so kalt wie eh und je. Dort wohnen die Leute, die sich garnichts anderes leisten können und selbst über bautechnische Errungenschaften aus dem Ende der 50er Jahre noch heilfroh sind! Sozialer Wohnungsbau war eben nie Luxuswohnungsbau und damit für sogenannte Investoren auch völlig uninteressant.

Tief in meinem Inneren fühlte ich immer jenen Schmerz, der mich ergriffen hat, als meine Eltern 1973 mit uns Kindern fortgezogen sind, weil sie sich endlich ein eigenes kleines Häuschen leisten konnten und nicht länger in unserer 3-Zimmer-Sozialwohnung leben wollten, in der ich mir mit zwei Schwestern ein Kinderzimmer teilen durfte/musste. Dabei ging es uns noch gut. Unsere Nachbarn, fromme Katholiken, und dementsprechend fruchtbar und sich ständig vermehrend, hatten 5 Kinder und die Wohnung war auch nur so groß wie die unsere!

Meine eigenen Kinder sind zum großen Teil aus dem Haus. Eine Tochter wohnt mit der Enkelin in unmittelbarer Nähe und ich habe durch einen glücklichen Zufall, oder soll ich sagen durch eine glückliche Fügung eine schnucklige 3-Zimmer-Wohnung recht nahe bei meinem früheren Zuhause bekommen.

Wohnblock in Karlsruhe Waldstadt, Königsberger Str. 4, Foto: A. Ohlmeyer

Wohnblock in Karlsruhe Waldstadt, Königsberger Str. 4, Foto: A. Ohlmeyer

Dort, wo früher in jeder Straße eine Ladenzeile war, gibt es kaum noch Geschäfte. Dafür versuchen hier etliche Läden mit den Bedürfnisssen der Alten Geschäfte zu machen, obwohl die finanzielle Decke der meisten hier Lebenden nicht besonders dick sein dürfte. Hier lebten immer recht einfache Leute. Die es sich leisten konnten, zogen so bald wie möglich wieder weg von hier. Der Rest blieb und wurde alt. Naja, zwei Straßen weiter gibt es noch einen Bäcker und in der Nachbarstraße hat sich ein Discounter breit gemacht, damit sich die Leute mit Schnaps und ein paar Lebensmitteln eindecken können. Eine Pizzeria gibt es hier bei uns und in der andern Richtung zwei Straßen weiter sogar einen Dönerschuppen. Es ist also fast alles da, was man braucht um sich gepflegt mangel- und fehlzuernähren, wie man heute so schön zu sagen pflegt.

Die Autos sind dicker geworden seit damals. Das ist schon auffällig. Selbst im Süden des Stadtviertels, dort wo man früher einen sogenannten sozialen Brennpunkt lokalosierte (und den es aus irgend welchen unerfindlichen Gründen auch heute noch zu geben scheint) stehen relativ teure Autos in den Parklücken vor den Wohnblöcken. Früher, in den Sechzigern waren es vor allem VW Käfer, DKW, Opel und Ford, dazu eine Menge Messerschmitt Kabinenroller, Lloyd, und Heinkel Tourist, sowie Quickly von NSU und einige Hummeln von DKW. Heute stehen hier Mercedes, VW Passat, viele Japaner und ein paar Franzosen, aber alles relativ neu und nur wenige älter als zehn Jahre oder so.

Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Es ist ein bisschen weniger Leben vorhanden. Aber das kann an dem ekligen feuchten und ungemütlichen Dezemberwetter mit ständig wechselnden Temperaturen liegen, vermutlich ist´s dem Klimawandel geschuldet und ich mag mich auch nicht wirklich beklagen. Mal sehen, wie sich das Leben hier im Frühjahr und Sommer entwickelt. Auf jeden Fall stelle ich mir den Sommer unter den hohen Laub- und Nadelbäumen, also quasi mitten im Wald, deutlich angenehmer und entspannter vor als die letzten Jahre direkt unter der sengenden Sonne und dem schrägen Dach meiner letzten erbärmlichen Behausung…

Ich werde weiter berichten vom Leben hier in der Karlsruher Waldstadt und von den Dingen, die ich hier noch so aus meinen Kinder- und Jugendzeiten finden und fotografieren kann.