It´s raining men, Halleluja…

Eigentlich sind die Sonnentage eines Jahres dazu gedacht, Geschichten, Abenteuer und Erlebnisse und dazu noch jede Menge wunderbare Fotos zu sammeln, um die dunkle Jahreszeit zu überbrücken, bis es im nächsten Frühjahr wieder hinaus geht! Jedenfalls dachte ich das bisher. Aber wenn ich mir diesen Sommer so betrachte und das Für und Wider abwäge, dann muss ich voller Bedauern fest stellen, dass es sich in diesem Jahr um einen besonders ähm durchwachsenen Sommer handelt. Andere würden sagen, er ist beschissen. Ich bin ja irgendwie ziemlich froh, dass ich meinen Urlaub schon hinter mir habe. Mir war der ganze Juli als Urlaub genehmigt worden und ich muss sagen, zu großen Teilen war das Wetter hervorragend. Und jetzt, da ich wieder arbeiten muss, könnte es mir eigentlich vollkommen egal sein, ob es nun schön ist, oder nicht, ob es kalt ist, oder alles den Bach runter geht, weil es um´s verrecken nicht mehr aufhören will zu regnen. Aber ich hatte amit gerechnet, noch das ein oder andere Wochenende genießen zu können, ein wenig in der Gegend herum zu fahren, mit meiner Enkelin und natürlich meiner Gattin, im Wellenbad herum zu liegen und darauf zu warten, bis ich einen Sonnenbrand bekomme.

„Pack die Badehose ein – so rollten wir in den Sommerurlaub“

Pfeifendeckel! War wohl nichts! Aber irgendwie muss man sich ja trotzdem beschäftigen, nicht wahr? Also berichte ich Euch heute von einem tollen nheuen Buch, dass ich erworben habe, als ich – witterungsbedingt – durch die Buchläden meiner Stadt streifte. Da erblickte ich plötzlich einen Bildband mit dem Titel „Pack die Badehose ein – so rollten wir in den Sommerurlaub“, von dem Autor Alexander F. Storz, erschienen im Motorbuch Verlag. Ein sehr nettes Buch ist dem Autor da gelungen, gleichwohl es den ein oder anderen kleineren Fehler und einige Ungereimtheiten aufweist. Aber machen wir uns nichts vor – schon ab der ersten Seite fesselt einen das Thema und je mehr man eintaucht in die vielen Bilder mit ihren Beschreibungen und den Begleittext, der nach meinem Dafürhalten gern etwas umfangreicher hätte ausfallen dürfen, ziehen die Erinnerungen an die eigenen Urlaube sofort in ihren Bann.

Ab nach Österreich

Da mache ich keine Ausnahme. Sofort waren die Bilder vor meinem geistigen Auge gegenwärtig, wie ich mich mit meinen lieben Eltern und der jüngeren Schwester im Opel Kadett A mehrere Jahre hintereinander auf den langen Weg nach Österreich machte. Nach Kärnten um genau zu sein. Und jedesmal war es ein Abenteuer vom Anfang bis zum Ende! Morgens um 2:00 Uhr ging es los. Den wagen hatte mein Vater am Abend zuvor gepackt und direkt vor dem Haus abgestellt. Wir Kinder konnten kaum schlafen, so aufgeregt waren wir. Um halb zwei war Wecken durch meine Mutter angesagt und dann gab es so etwas wie ein Milchsüppchen mit ein paar zarten Haferflocken drin, damit wir Kinder nicht sofort nach dem Start auf´s Klo mussten. Leise und im Dunkeln schliechen wir das Treppenhaus hinununter, damit die müden Nachbarn nicht aus dem Schlaf geschreckt wurden. Dann liefen wir gähnend zum Auto und stiegen ein. Mein Vater hatte fast den kompletten Hausstand verpackt. Jede Ritze war mit irgend etwas ausgestopft worden. Decken, Kissen, Bezüge, Kleidung, Handtücher, darüber hinaus Gaskocher (mit mehreren Gaskartuschen), Alupfannen und Töpfe, Geschirr, ein Kofferradio mit Batterien, Besteck, Luftmatratze, Schwimmringe usw., alles war dabei. Der Platz zwischen den Vordersitzen und der Rückbank war mit unserem Bettzeug ausgestopft, so dass wir Kinder nunr im Schneidersitz auch der Rückbank hocken konnten. Andererseits entstand so eine Liegefläche, auf der wir uns ausstrecken konnten, denn schließlich waren wir jetzt hundemüde. Dann ging es los. Wir waren noch nicht auf der Autobahn Richtung München, da schliefen wir schon selig und vom Urlaub träumend…

…erst weit hinter München wachten wir auf. Die Sonne erhob sich im Osten und begann das Innere des Autos schön aufzuheizen. Im gleichen Maß, wie es immer wärmer wurde, legten wir unsere Kleider ab, bis wir nur noch in Unterhosen auf dem Rücksitz saßen! Der kleine Opel schnurrte wie ein Uhrwerk und mein Vater hatte auf seine Hornbrille eine Sonnenbrill aufgesteckt, damit ihn die Sonne nicht so blendete. Meine Mutter hatte zwischen ihren Beinen das Kofferradio stehen und suchte permanent nach einem Radiosender, der halbwegs klar zu hören war. Obwohl wir genau darauf achteten, wo und wie lang uns Staus drohten, fuhren wir doch stets hinein. Ein Unfall reichte und schon stand alles still! Aber irgendwann gegen Abend kamen wir dann doch in Kärnten an. Eine durchgehende Autobahn bis nach Klagenfurt gab es damals noch nicht und so musdsten wir einen großen Teil der Reise auf überfüllten Landstraßen zurück legen. Wir Kinder zählten Autos, lasen die Nummerschilder oder sangen mit meiner Mutter um die Wette, bis es meinem Vater zu bunt wurde und er sich Ruhe ausbat. Bei unserem Radau könnte er sich nicht konzentrieren, sagte er.

Das ganze Leben sollte Urlaub sein!

Nachdem wir unser Zimmer in der Pension bezogen hatten, das uns als Urlaubsdomizil diente, schliefen wir soofort erschöpft ein. Mein Vater gönnte sich noch ein Fläschchen lauwarmes Bier, meine Mutter ein Gläschen Wein und dann tauchten auch sie in ihre Betten ein und träumten vom Urlaub, der nun begann. Wir Kinder bekamen einiges geboten, gleichwohl wir doch am allerliebsten den ganzen lieben langen Tag am Strand des Klopeiner Sees gelegen hätten und zwar jden einzelnen Tag. Aber meine Eltern stand der Sinn nach Kultur. So erklommen wir hohe Berge, um dort stehendee Burgen zu sehen. Die Burg Hochosterwitz ist mir da besonders im Gedächtnis geblieben. Ich erinnere mich noch heute mit Grausen daran, dass wir das Auto am Fuß des Berges stehen lassen mussten, um dann stundenlang den steilen Pfad bergan zu erklimmen, der sich immer um die Kuppe herum wand, auf der die Burg stand! Alle zwei oder drei Tage machten wir eine größere Tour mit unserem Opel, um berühmt-berüchtigte Alpenpässe zu erfahren. Jaufenpass, Plöckenpass, die Großglocknerhochalpenstraße, das waren so Eckpunkte, die wirklich abenteuerlich waren. Besonders, wenn man wusste, dass das kleine Motörchen unter der Haube des Kadetten lediglich 40 PS auf die Kurbelwelle stemmte. Wenn wir dann die Passhöhe erklommen hatten, staunten wir nicht schlecht, wenn dort oben eine Isetta stand, oder ein Goggomobil oder ein Kabinenroller und wir fragten uns, wie die wohl hier hoch gekommen waren? Und wie würden sie wieder hinunter kommen? Natürlich kam auch das Baden und das Pilzesuchen nicht zu kurz und wenn wir nach zwei Wochen die Heimreise antraten wussten wir, dass wir unseren Freunden eine ganze Menge zu erzählen haben würden. Denn einige Familien hatten nicht das Geld, um überhaupt in Urlaub zu fahren und von einem Auto brauchten sie erst garnicht zu träumen. Nicht jedm ging es so gut wie uns, das wurde einem in solchen Situationen rasch klar und wir waren immer wieder froh, dass unsere Eltern über das notwendige Geld verfügten, um einmal im Jahr in Urlaub zu fahren. Wie man sieht, kann ich noch heute davon zehren…

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