Über mich

Mein Name ist Andrej Ohlmeyer und ich wurde am 1. März in Salzgitter, nahe der damaligen Zonengrenze geboren. Ich bin ein Kind des Wirtschaftswunders. Aufgewachsen in einer Welt des unbegrenzten Wachstums und des unbedingten Fortschrittsglaubens. Darauf könnte ich stolz sein. Aber da ich keinen Einfluss darauf hatte, von wem ich wann geboren wurde, gibt es dafür keinen Grund. Dennoch bin ich bis heute erfüllt vom Geist des Wirtschaftswunders und allen seinen Facetten.

Die Zeit des Wirtschaftswunders im Nachkriegsdeutschland war eine ganz besondere Zeit, die sich sehr nachhaltig ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt hat. Es herrschte seit Beginn der 50er Jahre Vollbeschäftigung, die Wirtschaft brummte und die Menschen konnten sich, nach den furchtbaren Jahren des Nationalsozialismus und dem von ihnen verbrochenen Zweiten Weltkrieg mit seinen Abermillionen von Opfern, den schrecklichen Verbrechen an den Juden und rassisch, gesundheitlich, sowie politisch missliebigen Menschen, wieder aufatmen und sich dem Konsum hingeben. Freilich dauerte es noch bis zur Währungsreform des Jahres 1948, bis die Konjunktur ansprang und man begann, sich unter anderem mit der individuellen Mobilität zu beschäftigen.

Opel Kadett A Bj. ´62

Mit meiner Mutter und Schwester bei einer Rast auf Reisen vor unserem Kadett A (ca. 1963/64)

Die Menschen wollten wieder genießen, tanzen gehen, im Kino die Wochenschauen ansehen und anschließend irgend einen Schmachtfetzen. Man gönnte sich Fleisch, besonders gerne Schweinebraten, Eisbein, Sauerkraut und andere Dinge, die man sich über Jahrzehnte hinweg nicht, oder nur sehr selten leisten konnte. Die Amerikaner bereiteten sich auf den bemannten Flug zum Mond vor, nachdem die Russen sie mit ihrem Sputnik geschockt hatten, der als erster, von Menschen gebauter Himmelskörper, plötzlich die Erde umkreiste und seine Piepsignale zur zur Erdoberfläche sandte.

Die Autos, besonders die amerikanischen wurden immer größer und ausladender, trugen mehrere Zentner schwere Chromverzierungen mit sich herum und verbrannten Unmengen von Sprit! Heute nennt man diese, von enormen Heckflossen geprägten und hubraumstarken V8-Motoren angetriebenen Blechungetüme „Gasguzzler“, Benzinsäufer also (etwas weniger kritische Menschen pflegen sie mit Schiffen zu vergleichen und nennen sie darum Straßenkreuzer!). Damals interessierte sich aber niemand für so nebensächliche Dinge wie den Benzinverbrauch. Kein Wunder, bei einem Spritpreis von etwas mehr als 50 Pfennigen je Liter im Jahre 1955.

Auch designtechnisch ebenso wie architektonisch, beschritt man im Wirtschaftswunder neue Wege. Vorbei die Zeiten, als man alles streng geometrisch mit geraden Kanten und monumentalen Ausmaßen konstruierte. Das alles erinnerte zu sehr an die Auswüchse des Nationalsozialismus oder des Faschismus. Die Menschen sehnten sich förmlich nach organischen Formen, nach Asymetrie und nach Farbe. In Amerika konnte Henry Ford vor dem Zweiten Weltkrieg noch stolz behaupten, man könne seine Fahrzeuge in jeder nur denkbaren Farbe bekommen, Hauptsache, sie sei schwarz. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es bald vorbei mit dem tristen Einerlei. Man pflegte alles, aber auch wirklich alles, in sämtlichen Farben des Regenbogens zu lackieren (allerdings waren das meist Pastellfarben, die manch ein Zeitgenosse bis heute despektierlich als Bonbonfarben schmäht, die man heute aber als geradezu charakteristisch für die damalige Zeit bezeichnen kann)!

Diese Seiten sollen dem Liebhaber einen Überblick über die Zeit des Wirtschaftswunders bieten. Sie sollen den Spass an der Musik jener Jahre wecken, oder wieder wecken, sollen den Mund wässrig machen nach den unbeschwerten Filmen jener Zeit und daran erinnern, dass alles, was heute als Mode auf den Markt kommt, irgendwann schon einmal da war – besonders in den 50er- und 60er Jahren!

Opel Kadett A Bj. ´62

Fußball spielen mit meinem Vater. Ohne den Kadett? Undenkbar! (ca. 1963/64)

Unvergessen das Petticoat und später der legendäre Minirock! Die Brillengestelle mit dem „Cateye-Design“, oder weniger prosaisch das ordinäre „Kassengestell“, die man nur deshalb trug, weil es nichts anderes gab, auf die heute aber jeder halbwegs modebewusste Geck scharf zu sein scheint (oder sagt man dazu heute Nerd?)! Die Autos aus deutschen Werkshallen (die u. a. in Rüsselsheim, Bochum, Wolfsburg, Ingolstadt, Bremen oder Untertürkheim standen!), in denen rund um die Uhr produziert und in alle Welt ausgeliefert wurde. Aber nicht nur deutsche Automobile waren weltweit gefragt. Auch Unterhaltungselektronik wie Röhrenradios, Plattenspieler, Tonbandgeräte usw. und so fort, genossen einen unvergleichlichen Ruf und waren mit ihrem „made in Germany“ Statussysmbole, die man sich nur allzu gerne in die Wohnung stellte!

Es war eine Zeit des Aufbraus, unbeschwert und ohne Umweltschutzvorschriften. Konservativ zwar und in ihren Strukturen durchaus verknöchert, weil in den Behörden, Kommunen, der Justiz und in der Politik immer noch dieselben alten Nazis saßen, die auch im Dritten Reich das Sagen hatten und nun, nach dem Krieg, durch Beziehungen und Bestechung ratzfatz als unbelastet eingestuft wurden und infolge dessen auch weiterhin ungestört Karriere machen konnten. Die Menschen begannen sich jedoch vorsichtig vom Alleinvertretungsanspruch der Politik und ihrer Besserwisser zu emanzipieren, aber dazu bedurfte es noch vieler kleiner Schritte und einer Politik für die Arbeitnehmer, um den Binnenmarkt und den Konsum zu fördern!

Eines aber sind diese Seiten garantiert nicht – eine komplettes und vollständiges Archiv aller jemals in der Wirtschaftswunderzeit aufgetretenen Sänger und Schauspieler oder aller jemals gedrehten Filme! Solche abartigen Dinge wie zum Beispiel Heintje und seine Kreissägenstimme, werde ich auch unter Androhung brutalster Gewalt nicht in diese Seiten aufnehmen, obwohl ich keineswegs bezweifeln will, dass auch er seine Fans gefunden hat (in der Regel hat es sich dabei wohl um ältliche Damen, Omas und Jungfern gehandelt, die sich von seinen Sirenengesängen bezirzen ließen, wie auch immer!). Wer hier also etwas Spezielles vermisst, der kann gern bei mir nachfragen, oder aber einfach selbst recherchieren. Das Internet ist eine unglaubliche Fundgrube…oder wenn ich es auch interessant finde, vielleicht schreibe ich dann drüber!

Aber nun wünsche ich Euch allen, die Ihr Euch für die Wirtschaftswunderzeit interessiert, viel Spass auf diesen Seiten!