Besuch im Verkehrsmuseum Karlsruhe Teil 2

Wer sich besseres leisten konnte, als der einfache Arbeiter oder der kleine Angestellte, der griff natürlich auch zum größeren und stärkeren Auto. Wer damals in einem Opel  Kadett oder Rekord herum fahren konnte, der durfte mit einigem Recht von sich behaupten, es geschafft zu haben.

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Opel Rekord P1 als zweitürige Limousine, mit todschicken Panoramascheiben, deren Knick am Einstieg der Fahrer- und Beifahrertüre angeblich manch unvorsichtigem Zeitgenossen eine Kniescheibe zertrümmert haben soll. Edel aussehende Chromstoßstangen, ordentliche Heckflossen mit Rücklichtern, die an die Fenster gotischer Kathedralen erinnern. Auf der Hutablage der obligatorische Hut (Foto: A. Ohlmeyer)

Nichts ist natürlich so von gestern, wie die Mode von heute. Das trifft auch und besonders auf die Autos zu. Heute sind sie alle rund gelutscht wie Drops. Damals wandelte sich die Automode teilweise alle ein bis zwei Jahre. Auch im Wirtschaftswunder war morgen das völlig out, was gestern noch todschick und up to date gewesen war. Die Autokonzerne waren natürlich auch versucht, ständig neue Wagen zu verkaufen und am besten ständig mehr. Man hoffte inständig, den „mündigen Verbraucher“ sowiet zu bekommen, dass er sich den jährlichen Kauf eines neuen Autos zumindest überlegte, weil ihm der Wagen den er gerade besaß, im nächsten Jahr einfach zu altmodisch geworden war. Aber wer konnte und wollte sich schon jedes Jahr ein…

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Der Opel Rekord P2 als viertürige Limousine. Die Zweite Generation verfügte immer noch über Heckflossen, aber geänderten Rückleuchten (Foto: A. Ohlmeyer)

…neues Auto kaufen, bloß weil die Automobilindustrie, damals wie heute, den Hals nicht voll genug bekam? Der Deutsche liebte das, was er besaß und er hegte und pflegte es, so gut es ihm nur möglich war. Die Autoindustrie sorgte schon von sich aus dafür, dass kaum ein Auto länger als vielleicht zehn Jahre hielt. Mangeldne rostvorsorge, die zur Zeit des Wirtschaftswunders sowieso noch ein Fremdwort war, wurde nicht getroffen. Der verwendete Stahl war von zweifelhafter Qualität und seine Beständigkeit gegen den Rost bestand lediglich in der Dicke des Materials…

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Die Jugendlichen, sie hießen zur Wirtschaftswunderzeit noch Halbstarke aber standen auf Zweiräder. Mit denen machten sie die Straßen der Städte unsicher und gingen damit den Bürgern gehörig auf die Nerven. Hier eine DKW und eine Zündapp in trauter Zweisamkeit nebeneinander ihren ruhestand genießend (Foto: A. Ohlmeyer)

…wenn man ein Stück Baustahl über den Kotflügel schlagen und daran verbiegen konnte, ohne dass dieser größere Blessuren davon trug, konnte man von einem stabilen und rostresistenten Wagen sprechen. Aber das traf freilich nur auf die wenigsten Autos zu. Heute ist das auch nicht anders. Man kann bestenfalls ein Stück Weichplastik an einer Karosserie verbiegen, aber dann ist auch schon der teure Metallic-Lack verkratzt!

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50 Kubik, manchmal weniger, reichten vollkommen für die Freiheit auf zwei Rädern. Eine schöne und schnelle Kreidler Florett (Foto: A. Ohlmeyer)

Nein, Charakter hat sicher keines der heutigen Autos mehr. Bei den Motorrädern bin ich mir auch nicht so sicher. Dafür besitzen sie Motoren, die eine ungeheure leistung entfesseln und trotz der über Jahrzehnte weiter entwickelten Motorentechnik nicht weniger Sprit verbrauchen als damals. Ja, ich weiß, in den Prospekten der modernen Erzeugnisse deutscher Automobilbaukunst steht etwas anderes drin. Fahrzeuge mit 8 Zylindern und 4,5 Litern Hubraum sollen demnach nur wenig mehr als 6 oder 7 Liter Diesel und Benzin verbauchen. Aber wie wir jetzt wissen, liegt der Fortschritt bei den Verbräuchen und dem Ausstoß von CO2 und Stickoxiden ausschlielich in der Kunst auf den Prüfständen des Kraftfahrtbundesamtes gekonnt zu bescheißen, um die Anforderungen an einen modernen Motor zu erfüllen.

DKW F12 Junior

Der DKW Junior, mit Zweitaktmotor und kleinen Heckflossen. Heute ein Kleinwagen, damals eine Familienlimousine, mit der unser Nachbar, mit Sack und Pack und sage und schreibe 5 (in Worten fünf) Kindern auf dem Rücksitz in Urlaub fuhr (Foto: A. Ohlmeyer)

Umweltschutz spielte im Wirtschaftswunder kaum eine Rolle. Man war fest von den Selbstheilungskräften der Natur überzeugt und warf den Müll in die Wälder. Das Benzin war verbleit, weil es sonst die Motoren zerrissen hätte und man so Klopffestigkeit gewann. Heute hat man immerhin bleifreien Sprit und Katalysatoren, Harnstoffeinspritzung und viele schicke, vor allem aber teure Gimmicks mehr, aber die Umwelt wird nach wie vor verpestet. Damals wusste man es nicht besser. Heute handelt man wider besseren Wissens. Und genau das ist das Verwerfliche an der ganzen Sache!

BMW 700 Coupé

BMW 700 Coupé ein schöner und schneller Wagen, der locker jeden VW Käfer abhängen konnte. Neben der Isetta war der 700er das einzige Auto von BMW mit einem Heckmotor (Foto: A. Ohlmeyer)

Das Verkehrsmuseum in Karlsruhe ist immer einen Besuch wert. Neben den genannten Auto- und Motorradmodellen gibt es eine große Sammlung an Blechspielzeugen aus der Vorkriegszeit und zwei große Modellbahnanlagen im obersten Stockwerk der ehemaligen Fabrikhallen. Die Betreuung der Exponate und Schaustücke ist sehr rührig. Fragen werden jederzeit gerne und ausführlich beantwortet.

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